Am zweiten Prozesstag gegen den Griechen Ioanni V. (26), der im Februar einen Zugbegleiter totgeprügelt haben soll, sagten neun Augenzeugen der Attacke aus. Die entscheidende Frage lautet: Wollte Ioanni V. töten oder war es ein furchtbares Unglück? Die Nebenklage und die Staatsanwaltschaft werten die Tat als Mord, das Landgericht hingegen als Körperverletzung mit Todesfolge – genau dafür wurde Ioanni V. auch angeklagt.
Die Tat: Zwölf Schläge nach Ticketkontrolle
Am 2. Februar kontrollierte Zugbegleiter Serkan Çalar (36) im Regionalexpress von Landstuhl (Rheinland-Pfalz) nach Homburg (Saarland) die Tickets. Ioanni V. hatte keinen Fahrschein, Serkan wollte ihn aus dem Zug werfen. Plötzlich stand V. auf, drohte dem Kontrolleur und rief: „I‘m a boxer. I‘m a fighter“ (deutsch: „Ich bin ein Boxer, ich bin ein Kämpfer“). Mit zwölf Schlägen streckte Ioanni Serkan nieder, der Schaffner starb zwei Tage später im Krankenhaus an einer Hirnblutung.
Die Beweise: Videos zeigen Schlagabfolge
Die Überwachungskameras zeigen: Einmal schlug Ioanni mit rechts zu, ansonsten prügelte er mit seiner linken Faust auf Serkan ein. Ioanni V. ist Linkshänder. Die Nebenklage will nun beweisen, dass der Grieche sehr wohl wusste, was er tat, und den Tod des Schaffners billigend in Kauf nahm. Anhand der Haltung von Ioannis linker Faust, so arbeiten die Nebenkläger heraus, würde man sehen, dass es professionelle Schläge gewesen seien. Außerdem zeigen die Videos, dass Ioanni auch noch auf Serkan einschlug, als der schon wehrlos am Boden lag.
Zeugenaussagen: Kampfsportler-Angeber
Ioanni hat laut Zeugen mehrfach gesagt, dass er Kampfsportler sei. Vor Gericht sagte der Grieche jedoch aus, er habe noch nie Kampfsport betrieben, kein Karate. Früher trainierte er Klimmzüge in der Garage – das würde er heute noch in der JVA machen. 1000 Stück würde er nach eigenen Angaben schaffen, was weit über dem Weltrekord liegen würde.
Mögliche Strafen und rechtliche Konsequenzen
Würden Nebenklage und Staatsanwaltschaft beweisen, dass Ioanni mit dem Wissen prügelte, dass die Schläge den Schaffner hätten töten können, könnte das Gericht einen rechtlichen Hinweis erteilen. Bedeutet: Ioanni V. könnte doch wegen Totschlags verurteilt werden und so eine höhere Strafe kassieren. Im Falle einer Verurteilung wegen Körperverletzung mit Todesfolge drohen Ioanni V. zwischen einem und fünfzehn Jahren Haft, wegen Totschlags fünf Jahre bis lebenslang und wegen Mordes eine lebenslange Haftstrafe.
Gutachter soll Professionalität der Schläge klären
Die Nebenklagevertreter wollen nun mithilfe eines Gutachters feststellen lassen, dass die Faustschläge eine professionelle Qualität hatten und Ioanni V. sich bewusst darüber gewesen sein musste, dass die Schläge tödlich sein konnten. Serkan Çalar wurde nur 36 Jahre alt, er war alleinerziehender Vater von zwei Jungen.



