Einzigartiger Steinkeller aus dem Mittelalter in Berlin entdeckt
Mittelalterlicher Steinkeller in Berlin gefunden

Das Landesdenkmalamt Berlin hat bei archäologischen Grabungen am Molkenmarkt in Berlin-Mitte einen außergewöhnlichen Steinkeller aus dem Spätmittelalter entdeckt. Der Fund wurde am Mittwoch öffentlich gemacht und gilt als bedeutendes Zeugnis der Berliner Stadtgeschichte.

Einzigartiger Fund am ältesten Platz Berlins

Der Steinkeller befindet sich am Molkenmarkt, dem ältesten Platz Berlins. Er ergänzt nun weitere spätmittelalterliche Bauwerke wie die Nikolaikirche, die Marienkirche, die Ruinen des Franziskanerklosters und die Reste der Berliner Stadtmauer an der Littenstraße. Das Landesdenkmalamt spricht von einem „eindrucksvollen Ensemble“.

Größe und Bedeutung des Kellers

Mit einer Länge von mindestens 8,5 Metern und einer Breite von fast 7,5 Metern übertrifft der Keller die übliche Größe zeitgenössischer Wohnkeller deutlich. Er wird auf das 14. oder frühe 15. Jahrhundert datiert und ist damit der älteste erhaltene Kellerraum Berlins. Die Fundamente und Kellermauern sind bis zu 2,30 Meter hoch, aus großen Feldsteinen und Ziegeln gefertigt und vollständig erhalten. Teil des Ensembles sind auch Reste von Licht- und Lüftungsöffnungen sowie Verwahr- und Lichtnischen. Der Boden besteht aus gestampftem Lehm.

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Historische Nutzung und Umbauten

Wissenschaftliche Projektleiter Eberhard Völker vermutet, dass der Keller als Kauf- und Handelskeller diente und zu einem großen, repräsentativen Bauwerk gehörte, das in unmittelbarer Nähe zum mittelalterlichen Rathaus und zum Hohen Haus, dem Sitz der askanischen Markgrafen, lag. Ursprünglich war der Keller mit einer Balkendecke ausgestattet, die im 16. Jahrhundert durch ein Tonnengewölbe ersetzt wurde. In den folgenden Jahrhunderten erfolgten weitere Aus- und Umbauten. Im Zweiten Weltkrieg wurde der Keller zerstört und nach 1945 verfüllt und versiegelt, was zu den außergewöhnlich guten Erhaltungsbedingungen führte.

Bedeutung für die Stadtgeschichte

Bausenator Christian Gaebler betonte, dass das Molkenmarkt-Projekt eines der größten Stadtentwicklungsprojekte in der historischen Mitte Berlins sei und hier eine der größten stadtarchäologischen Untersuchungen Deutschlands stattfinde. Der freigelegte Steinkeller verdeutliche, welche wissenschaftlichen Erkenntnisse die Ausgrabungen für die Erforschung der frühen Berliner Stadtgeschichte liefern. Landeskonservator Christoph Rauhut bezeichnete den Fund als „außergewöhnlich und von großer Bedeutung“ und schlug vor, das Bauwerk aufgrund seines guten Erhaltungszustands als archäologisches Fenster dauerhaft sichtbar und erlebbar zu machen.

Zukünftige Pläne

Der Steinkeller wird ab Mitte Juni wieder verfüllt, um ihn vor Umwelteinflüssen zu schützen. Die Stadtkerngrabung am Molkenmarkt läuft seit September 2019 und wird voraussichtlich bis 2027 dauern. Dabei sollen etwa 25.000 Quadratmeter bis in eine Tiefe von vier Metern untersucht werden. Bislang sind mehr als 70 Prozent der Gesamtfläche erforscht.

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