Im Fall der Babyleiche aus Renningen bei Stuttgart haben die Ermittlungen eine dramatische Wende genommen: Die Polizei verdächtigt nun die Mutter des getöteten drei Monate alten Säuglings. Sie soll ihr Kind selbst abgelegt und eine Entführung vorgetäuscht haben, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft am Mittwoch mit. Ob die Frau sich zu den Vorwürfen äußern wird, ist noch offen.
Leiche nach stundenlanger Suche entdeckt
Das tote Kind war am vergangenen Freitag nach einer stundenlangen Suchaktion mehrere hundert Meter vom Wohnhaus der Mutter entfernt gefunden worden. Die Mutter hatte zuvor ausgesagt, ihr Baby sei am späten Abend zuvor in einem unbeaufsichtigten Moment aus seinem Kinderwagen verschwunden. Die Polizei betonte jedoch: „Im Zuge der bisherigen Ermittlungen konnten keinerlei Hinweise auf eine Entführung des Säuglings erlangt werden.“
Bereits während der Suche und nach dem Fund hatte sich die Polizei stets gegen den Begriff Entführung gewehrt. Nun wird gegen die Mutter wegen des Verdachts des Vortäuschens einer Straftat ermittelt. Die genauen Umstände des Todes bleiben indes rätselhaft.
DNA-Abgleich bestätigt Identität
Tagelang war unklar, ob es sich bei dem gefundenen toten Säugling um den vermissten Jungen handelt. Dies sei jetzt aber zweifelsfrei geklärt, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Das Baby wurde durch einen DNA-Abgleich identifiziert. Offiziell unklar bleibt allerdings trotz der Obduktion vom Dienstag, wie der Junge starb. Wurde er getötet, starb er durch einen Unfall oder den plötzlichen Kindstod? „Die Ermittlungen von Staatsanwaltschaft und Kriminalpolizei dauern an“, so die Ermittler.
Ermittlungsgruppe „Wagen“ rekonstruiert Tathergang
Nun versuchen die 13 Experten der Ermittlungsgruppe „Wagen“, Antworten auf die noch offenen Fragen zu finden. Mithilfe von speziellen Vermessungen am Fundort der Leiche erstellt das Landeskriminalamt nach Angaben der Staatsanwaltschaft ein dreidimensionales Modell vom Fundort. Dadurch sollen sich mögliche Abläufe rekonstruieren lassen. Zudem werden mehrere Zeugenhinweise ausgewertet.
Polizei und Staatsanwaltschaft machen bislang keine Angaben zur Rolle des Vaters des Kindes. Die Vermisstenanzeige am Donnerstag vergangener Woche hatten die Eltern kurz vor Mitternacht gestellt.
Großangelegte Suchaktion
Bei der Suche nach dem Säugling setzte die Polizei neben 50 Beamten, 40 Suchhunden des Deutschen Roten Kreuzes, Hubschraubern und Drohnen mit Wärmebildkameras auch Leichenspürhunde ein. Kräfte von Rettungsdiensten wie dem DRK versammelten sich am Morgen auf einem Parkplatz bei einem Lebensmittelmarkt, um zu unterstützen. Auch die Bereitschaftspolizei war im Einsatz.
Die rund 18.000 Einwohner zählende Stadt Renningen liegt westlich von Stuttgart und ist rund 25 Kilometer von der Landeshauptstadt entfernt.



