Mutter trifft nach sechs Jahren auf Totraser ihrer Tochter (14) vor Gericht
Mutter trifft Totraser ihrer Tochter vor Gericht

Sechs Jahre nach dem Tod ihrer 14-jährigen Tochter Tamar ist die Mutter Trijntje Boes dem mutmaßlichen Todesfahrer Jamal T. (33) vor Gericht gegenübergestanden. Der Iraker aus Hessen soll im Juli 2020 in den Niederlanden das Mädchen mit seinem Mazda 3 überfahren und anschließend Fahrerflucht begangen haben. Der Prozess findet am Bezirksgericht Nord-Holland in Badhoevedorp statt, direkt am Amsterdamer Flughafen Schiphol.

Familie fordert Antworten und Schmerzensgeld

Die Familie des Opfers tritt als Nebenkläger auf und fordert 20.000 Euro Schmerzensgeld sowie die Übernahme der Beerdigungskosten in Höhe von mehr als 8.000 Euro. Mutter Trijntje Boes sagte vor Gericht: „Tamar war mein Ein und Alles, wir waren unzertrennlich. Mein Leben ist zerstört.“ Ein Bruder der 14-Jährigen ergänzte: „Es sind jetzt 2166 Tage, die ich dich vermisse.“

Der Fall erlangte internationale Aufmerksamkeit, nachdem US-Tech-Milliardär Elon Musk (55) das Schicksal des Mädchens auf seiner Plattform X thematisiert hatte. Die Staatsanwaltschaft wirft Jamal T. fahrlässige Tötung und Unfallflucht vor. Zunächst war der 33-Jährige mit einem Strafbefehl über 1500 Euro davongekommen, doch die Eltern erzwangen eine Wiederaufnahme des Verfahrens.

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Angeklagter will nichts bemerkt haben

Jamal T. sagte mit leiser Stimme aus, dass er mit drei Landsleuten auf Urlaubstour gewesen sei und gegen 3 Uhr morgens zu einer Unterkunft fahren wollte. Sein Beifahrer habe das Handy mit dem Standort gehalten, während er auf der Deichstraße von Monnickendam nach Marken unterwegs war. Der Angeklagte gab an, über etwas gefahren zu sein – möglicherweise einen Stein, ein Tier oder eine Bodenschwelle. Auf einem Parkplatz habe er einen Plastikschaden auf der rechten Fahrzeugseite bemerkt.

Nach dem Zwischenfall brach die Gruppe die Reise ab und fuhr zurück nach Deutschland. Jamal T. wusch seinen Mazda 3, ließ ihn in einer Werkstatt überholen und bot ihn Wochen später zum Verkauf an. Nach einer öffentlichen Fahndung nach dem Auto und dem Kennzeichen wurde er gefasst.

DNA-Spuren und fehlende Beweise

Am sichergestellten Mazda wurden DNA-Spuren und Kleidungsfetzen des Mädchens entdeckt. Es liegen jedoch keine zwingenden Beweise vor, dass die Insassen die 14-Jährige nach dem Zusammenprall bewegt haben. Die Polizei fand Tamar mit langgestreckten Armen und Beinen zwischen Asphalt und Straßengraben, dazu Schleif- und Bremsspuren.

Im Plädoyer beantragte die Staatsanwaltschaft zwei Monate Haft für den 33-Jährigen. Die Verteidigung, die dem Mädchen mögliche Suizidabsichten unterstellte, plädierte auf Freispruch. Das Urteil soll am 14. Juli verkündet werden.

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