Andrij Melnyk im Spitzengespräch: „Ich habe viel kaputt gemacht“
Melnyk: „Ich habe viel kaputt gemacht“

Der ehemalige ukrainische Botschafter in Deutschland, Andrij Melnyk, hat im SPIEGEL-Spitzengespräch mit Markus Feldenkirchen eingeräumt, in seiner Zeit in Berlin „viel kaputt gemacht“ zu haben. Melnyk, der als undiplomatischster Diplomat galt, den Deutschland je gesehen hat, sprach offen über seine Fehler und was er bereut.

Selbstkritik und Reue

„Ich habe viel kaputt gemacht“, sagte Melnyk in dem Gespräch. Er bezog sich dabei auf seine oft scharfe Kritik an der deutschen Regierung und seine öffentlichen Forderungen nach mehr Waffenlieferungen. Der Diplomat, der von 2014 bis 2022 in Berlin akkreditiert war, sorgte immer wieder für Kontroversen, etwa durch seine Aussagen über den ukrainischen Nationalisten Stepan Bandera oder seine Forderung, Deutschland solle „endlich“ die Ukraine mit schweren Waffen unterstützen.

Melnyk erklärte, dass er seine Rolle als Botschafter möglicherweise zu konfrontativ ausgelegt habe. „Ich war vielleicht zu ungeduldig“, so Melnyk. „Aber die Situation in der Ukraine war existentiell. Ich habe gekämpft, vielleicht manchmal mit den falschen Mitteln.“

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Wunsch nach Vermittler mit Putin

Im Gespräch äußerte Melnyk auch, wen er sich als Vermittler mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin wünschen würde. Er nannte den deutschen Altkanzler Gerhard Schröder, der lange als Putin-Vertrauter galt. „Schröder hat Zugang zu Putin, das ist eine Tatsache. Vielleicht könnte er eine Rolle spielen“, so Melnyk. Allerdings betonte er, dass eine Vermittlung nur unter klaren Bedingungen erfolgen dürfe: „Putin muss sein Ziel aufgeben, die Ukraine zu zerstören. Es darf keinen Frieden um jeden Preis geben.“

Melnyk zeigte sich dennoch skeptisch, ob Schröder tatsächlich bereit wäre, in dieser Funktion zu agieren. „Er müsste sich von Putin distanzieren, das ist eine schwierige Voraussetzung.“

Bilanz einer undiplomatischen Amtszeit

Melnyk blickte auf seine Zeit als Botschafter zurück und zog eine gemischte Bilanz. „Ich habe viele Türen geöffnet, aber auch einige zugeschlagen“, sagte er. Er räumte ein, dass sein Stil nicht immer hilfreich gewesen sei. „Deutschland ist ein Land der Diplomatie, und ich war der Störenfried. Aber manchmal braucht es Störenfriede, um Veränderungen anzustoßen.“

Der Diplomat betonte, dass er trotz aller Kritik stets das Ziel verfolgt habe, die Ukraine zu unterstützen. „Ich bereue nichts von dem, was ich getan habe, aber ich bereue, wie ich es manchmal getan habe.“

Ausblick auf die Zukunft

Melnyk, der mittlerweile nicht mehr im diplomatischen Dienst der Ukraine steht, zeigte sich optimistisch für die Zukunft seines Landes. „Die Ukraine wird diesen Krieg gewinnen, aber wir brauchen weiterhin die Unterstützung des Westens“, sagte er. Er appellierte an Deutschland, seine Hilfe nicht zu reduzieren. „Jeder gezögerte Schritt kostet Menschenleben.“

Das Spitzengespräch mit Andrij Melnyk ist Teil einer Reihe, in der Markus Feldenkirchen mit Persönlichkeiten aus Politik und Gesellschaft aktuelle Themen diskutiert. Weitere Folgen befassen sich unter anderem mit der Reaktionsfähigkeit der Nato bei einem russischen Angriff und der Zukunft der Beziehungen zu Russland.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration