Nach dem verheerenden Großbrand in einer Schweinemastanlage in Coswig (Landkreis Wittenberg), bei dem rund 20.000 Schweine ums Leben kamen, hat das Landwirtschaftsministerium von Sachsen-Anhalt Verbesserungen beim Brandschutz in Tierhaltungsanlagen angemahnt. „Aus tierschutzfachlicher Sicht besteht beim Brandschutz in Tierhaltungsanlagen weiterer Handlungsbedarf“, teilte das Ministerium auf Anfrage mit.
Bestehende Regelungen reichen aus Sicht des Tierschutzes nicht aus
Zwar dienten die bestehenden Regelungen unterschiedlichen Schutzzielen etwa im Bau-, Brand-, Umwelt- und Tierschutzrecht. Doch „aus Sicht des Tierschutzes sollten insbesondere Maßnahmen zum besseren Schutz der Tiere im Brandfall weiterentwickelt werden“, hieß es aus dem Ministerium. Der Bund habe angekündigt, die tierschutzrechtlichen Regelungen zum Brandschutz in Tierhaltungsanlagen weiterzuentwickeln. Sachsen-Anhalt unterstütze entsprechende Vorhaben und werde sie im eigenen Zuständigkeitsbereich umsetzen. Das Land habe sich bereits in der Vergangenheit auf Bundesebene für entsprechende Anpassungen eingesetzt und den Austausch mit den zuständigen Landesressorts angeregt.
Elektrische Defekte als häufige Brandursache
Nach Angaben des Ministeriums zeigen Erkenntnisse aus zurückliegenden Schadensfällen, dass Defekte oder Mängel an elektrischen Anlagen zu den häufigsten Brandursachen zählen. Hinzu kämen brandbegünstigende Faktoren wie brennbare Materialien, die Bauweise sowie technische Anlagen. Eine frühzeitige Branderkennung könne wesentlich dazu beitragen, Schäden zu begrenzen. Auch technische Anlagen auf Gebäuden, einschließlich Photovoltaikanlagen, müssten fachgerecht installiert und gewartet werden, um Risiken zu minimieren.
Bereits bestehende Informationsangebote
Unabhängig von möglichen gesetzlichen Änderungen würden in Sachsen-Anhalt bereits seit längerem Informations- und Sensibilisierungsangebote für Tierhalterinnen und Tierhalter sowie Feuerwehren zum Brandschutz in Tierhaltungsanlagen durchgeführt, teilte das Ministerium mit. Der Brand in Coswig ist nicht der erste seiner Art in Sachsen-Anhalt. In den vergangenen Jahren kam es im Land mehrfach zu Bränden in Tierhaltungsbetrieben, bei denen ebenfalls zahlreiche Tiere starben.
BUND fordert Konsequenzen
Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) Sachsen-Anhalt fordert nach dem Feuer weitreichende Konsequenzen. „Der Brand zeigt in dramatischer Weise, dass industrielle Massentierhaltung nicht nur im täglichen Betrieb erhebliche Tierschutzprobleme mit sich bringt, sondern im Havariefall unweigerlich zu einer Katastrophe mit unvorstellbarem Tierleid führt“, sagte Landesgeschäftsführer Christian Kunz. Der Verband fordert unter anderem eine vollständige und transparente Aufklärung des Brandgeschehens sowie einen grundlegenden Umbau der Tierhaltung hin zu einer stärker am Tierwohl orientierten Landwirtschaft.
Peta kündigt Strafanzeige an
Auch die Tierrechtsorganisation Peta kündigte vergangene Woche an, Strafanzeige gegen die Verantwortlichen zu erstatten. Damit solle auf mögliche Verstöße gegen tierschutzrechtliche Straftatbestände hingewiesen und eine gründliche Aufklärung des Brandes unterstützt werden, teilte die Organisation mit. Zugleich forderte Peta strengere gesetzliche Vorgaben für den Brandschutz in Tierhaltungsanlagen.
Ermittlungen zur Brandursache dauern an
Bei dem Feuer im Landkreis Wittenberg in der Nacht zum 15. Juli im Coswiger Ortsteil Düben waren nach Polizeiangaben rund 20.000 Schweine gestorben. Einige Tiere konnten gerettet werden. Fünf Feuerwehrleute wurden bei den Löscharbeiten leicht verletzt. Rund 100 Einsatzkräfte waren vor Ort. Der Sachschaden wird auf etwa neun Millionen Euro geschätzt. Die Ermittlungen zur Brandursache dauern weiter an. Nach Angaben der Polizei läuft derzeit noch die Bergung und Entsorgung der Tierkadaver. Ein Brandursachenermittler habe sich bereits mit Unterstützung einer Drohne einen ersten Überblick über den Brandort verschafft. Nach Abschluss der Entsorgungsarbeiten sollen die Untersuchungen vor Ort fortgesetzt werden. Angaben zur Brandursache seien bislang nicht möglich. Die Ermittlungen würden in alle Richtungen geführt.



