Palliativmediziner zu 15-fachem Mord verurteilt – womöglich mehr Opfer
Palliativmediziner zu 15-fachem Mord verurteilt

Das Berliner Landgericht hat den Palliativmediziner Johannes M. wegen Mordes an 15 Patienten zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Die Kammer sah es als erwiesen an, dass der 47-jährige Arzt zwischen 2015 und 2022 in der Berliner Klinik, in der er arbeitete, mindestens 15 schwerkranke Menschen getötet hat. Die Opfer waren zwischen 38 und 95 Jahre alt. Das Gericht sprach von einer „beispiellosen Serie“ von Tötungen.

Vertrauensverhältnis schamlos ausgenutzt

Der Vorsitzende Richter erklärte, Johannes M. habe das Vertrauen seiner Patienten und Kollegen „in schamloser Weise“ missbraucht. Er habe die Taten aus „niederen Beweggründen“ begangen, um sich als kompetenter Palliativmediziner zu profilieren und möglicherweise auch, um den Tod von Patienten zu beschleunigen, die ihm lästig waren. Die Staatsanwaltschaft hatte dem Arzt vorgeworfen, den Patienten tödliche Medikamentencocktails verabreicht zu haben, ohne dass eine medizinische Indikation vorlag.

Ermittlungen zu weiteren Todesfällen

Bereits während des Prozesses war bekannt geworden, dass die Ermittler die Todesumstände von weiteren 30 Patienten überprüfen, die unter der Behandlung von Johannes M. starben. Die Staatsanwaltschaft Berlin bestätigte, dass die Ermittlungen zu möglichen weiteren Taten „noch andauern“. Es sei nicht ausgeschlossen, dass die Opferzahl noch steigen könne. Die Verteidigung kündigte Revision gegen das Urteil an.

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Angehörige fordern Aufklärung

Mehrere Angehörige der Opfer zeigten sich nach dem Urteil erleichtert, aber auch erschüttert. „Sie wollte ja leben“, sagte eine Zeugin über ihre Mutter, die zu den Opfern zählt. Sie hoffe, dass alle Taten aufgeklärt werden. Die Klinikleitung, in der Johannes M. tätig war, entschuldigte sich bei den Familien und versprach, die internen Kontrollen zu verschärfen.

Experten warnen vor Systemversagen

Der Fall wirft ein Schlaglicht auf mögliche Sicherheitslücken im Gesundheitswesen. Medizinethiker fordern strengere Kontrollen bei der Verschreibung von Betäubungsmitteln und eine bessere Überwachung von Palliativmedizinern. „Solche Serienmorde sind nur möglich, wenn das System versagt“, sagte ein Experte der Deutschen Stiftung Patientenschutz. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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