AfD-Politiker Hartmut Naß soll Frau auf Wasserfest geschlagen haben
AfD-Politiker Naß soll Frau auf Wasserfest geschlagen haben

Am ersten Juli-Wochenende verwandelte sich die Rummelsburger Bucht in Berlin-Lichtenberg traditionell in eine Festmeile. Doch am Samstagmittag eskalierte die Stimmung am Informationsstand der AfD. Wie die Berliner Polizei dem Tagesspiegel bestätigte, kam es zu einer Auseinandersetzung, bei der ein AfD-Politiker handgreiflich geworden sein soll.

Hartmut Naß, Schatzmeister des AfD-Kreisverbands Lichtenberg und Bezirksverordneter, soll eine Frau zunächst geschubst und ihr anschließend ins Gesicht geschlagen haben. Dies berichteten Zeugen der Polizei. Die Ermittlungen laufen wegen des Verdachts der Körperverletzung. Zuerst hatte die „Berliner Morgenpost“ über den Vorfall berichtet.

Vorwürfe seien „frei erfunden“

Die Polizei wurde am Samstag gegen 13.40 Uhr über den Notruf alarmiert. Zeugen berichteten den Beamten, eine Frau sei an den AfD-Infostand herangetreten und habe angedeutet, Gegenstände vom Stand mitnehmen zu wollen. Daraufhin sei es zu einer Auseinandersetzung gekommen. Die Frau sei zunächst geschubst worden. Nach einer weiteren Zeugenaussage habe der Mann ihr anschließend ins Gesicht geschlagen, so der Polizeisprecher. Videoaufnahmen des Vorfalls liegen bislang nicht vor.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Die Lichtenberger AfD hat eine andere Version. Der Vorwurf, Naß habe eine Frau geschlagen, sei „frei erfunden“ und könne von „mehreren Augenzeugen widerlegt werden“, teilte die AfD Lichtenberg am Donnerstag, fünf Tage nach dem Vorfall, auf Telegram mit. Beim Wasserfest hätten „linke Chaoten unseren Infostand angegriffen“. Zwei Frauen hätten Informationsmaterial angeblich „gewaltsam“ an sich genommen und dabei gerufen, man werde den „Scheißmist entsorgen“. Anschließend hätten die Frauen den 79-jährigen Naß angeblich „bedrängt und zur Seite gestoßen“. Die Polizei sei daraufhin „herbeigeeilt, um die Situation zu entschärfen“ – so die Darstellung der AfD.

AfD-Kreisvorsitzender vermutet Inszenierung

Auf Nachfrage räumt der AfD-Kreisvorsitzende David Eckert ein, dass die Polizei nicht von der AfD gerufen worden ist. Eckert glaubt, in Wahrheit sei das alles eine Inszenierung, um einen geplanten AfD-Antrag im Lichtenberger Bezirksparlament zu sabotieren. Dort fordert die AfD-Fraktion nämlich einen „gewaltfreien Wahlkampf“. Diese Ironie kann für Lichtenberges AfD-Chef kein Zufall sein: „Der ganze Vorfall wirkt auf mich inszeniert, um unseren Antrag zu delegitimieren“, teilte Eckert mit.

Naß hat einige Tage nach dem Vorfall selbst Anzeige erstattet – wegen falscher Verdächtigung, Vortäuschens einer Straftat und Nötigung, wie die AfD Lichtenberg auf Telegram mitteilte und die Polizei bestätigte.

AfD äußerte sich zunächst nicht zu einem Angriff

Am Tag des Wasserfests selbst hatte die AfD von einem Angriff durch „linke Chaoten“ noch nichts berichtet. Einen Tag nach dem Vorfall veröffentlichte der Kreisverband auf Telegram stattdessen eine Bilanz eines „erfolgreichen Stand[s] auf dem Wasserfest in Rummelsburg“. Weiter hieß es: „Wir hatten guten Zuspruch!“ Für ein Boot in der Rummelsburger Bucht mit der Aufschrift „AfD versenken“ fand die Partei noch spöttische Worte – von einem Angriff war jedoch keine Rede. Eckert schreibt auf Anfrage, man habe sich nach dem Zwischenfall nicht „medial in eine Opferrolle“ begeben wollen.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration