Im Dortmunder Landgericht kam es am Mittwoch zu einem außergewöhnlichen Vorfall. Der Vorsitzende Richter Tim Wroblewski ließ alle Zuschauer aus dem Saal entfernen, nachdem zwei junge Frauen den Staatsanwalt als „Bastard“ beschimpft hatten. Der Prozess gegen die sogenannte „Knappi-Gang“ wird nun unter Ausschluss der Öffentlichkeit fortgesetzt.
Staatsanwalt beklagt „Verrohung der Sitten“
Staatsanwalt Golo Osthoff (43) hatte zu Beginn der Verhandlung das Wort ergriffen und auf eine zunehmende Respektlosigkeit hingewiesen. „Wir haben eine Verrohung der Sitten, diese Hauptverhandlung bildet keine Ausnahme“, sagte er. Rechtsreferendarinnen hätten ihm von beleidigenden Äußerungen mehrerer Zuschauer in der vergangenen Sitzung berichtet. Osthoff erklärte: „Ich wurde demnach mehrfach als Bastard oder Scheißbastard bezeichnet. Es hieß ‚Ich solle meine Fresse halten‘ und ‚Ich werde schon sehen, was ich davon habe‘.“ Er betonte, dass er sich von diesen Verleumdungen und Drohungen nicht einschüchtern lasse.
Gegenüberstellung und Entschuldigung
Im Anschluss an Osthoffs Aussage ordnete der Richter eine Gegenüberstellung an. Justizwachtmeister führten die beiden mutmaßlichen Beleidigerinnen Daria und Nadine vor. Die Jugendlichen standen auf und entschuldigten sich. Sie gaben an, die Worte seien ihnen „rausgerutscht“. Osthoff nahm die Entschuldigung an, beantragte jedoch eine Geldstrafe. „Ich nehme die Entschuldigung an, bin ja nicht nachtragend“, sagte er. Dennoch müssen die beiden Mädchen nun jeweils 200 Euro zahlen. Sollten sie die Zahlung verweigern, drohen ihnen zwei Tage Ersatzfreiheitsstrafe.
Hintergrund des Prozesses
Sechs junge Männer stehen seit Mai vor dem Landgericht Dortmund. Sie sollen als „Knappi-Gang“ am 14. August 2025 eine andere Gruppe überfallen haben. Haupttäter Faiz (20) trat damals mehrfach mit großer Gewalt auf ein am Boden liegendes Opfer ein. Ein Freund filmte die Tat. Die Polizei nahm die Verdächtigen im Dezember fest, nachdem Spezialeinsatzkräfte zugeschlagen hatten. Die Opfer überlebten mit schweren Verletzungen.
Weiterer Prozess unter Ausschluss der Öffentlichkeit
Nach den Vorfällen beschloss die Kammer um Richter Wroblewski, den weiteren Prozess unter Ausschluss der Öffentlichkeit zu führen. Alle Zuschauer, darunter auch Journalisten, mussten den Saal verlassen. BILD sprach anschließend mit den beiden Beleidigerinnen. Daria sagte: „Das war peinlich und es tut uns wirklich leid. Wir sind mit den Angeklagten befreundet, es ist wirklich schwer zu ertragen, wenn da Sachen gesagt werden, die nicht stimmen.“ Den Angeklagten droht eine Verurteilung wegen gemeinschaftlichen versuchten Totschlags. In einem weiteren tragischen Zufall erfuhr Faiz während der Untersuchungshaft, dass andere Schläger in Dortmund seinen Vater totgetreten hatten. Dieser Vorfall sorgte bei Polizei und Justiz für großes Erstaunen.



