Stade-Killer: Suizid in Haft – Opposition kritisiert „Pannenserie“
Stade-Killer: Suizid in Haft – Opposition kritisiert Pannen

Der mutmaßliche Todesschütze von Stade, ein 45-jähriger in Deutschland geborener Türke, hat sich in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Bremerförde das Leben genommen. Die niedersächsischen Behörden bestätigten den „Tod durch Strangulation“ und gehen von Suizid aus. Der Fall wirft erneut Fragen nach den Sicherheitsvorkehrungen in der Haft auf und sorgt für scharfe Kritik der Opposition an Justizministerin Kathrin Wahlmann (SPD).

Hergang des Suizids und Lockerung der Überwachung

Am Dienstagmorgen um 6:05 Uhr entdeckten Beamte den leblosen Körper des Gefangenen in seiner Zelle. Dabei hatte der 45-Jährige bereits Ende Juni in einer Jugendeinrichtung in Stade vier Frauen und zwei Männer mit einer Pistole getötet. Laut einem Bericht des „Spiegel“ gab der Täter selbst an, für einen finalen Todesschuss keine Munition mehr gehabt zu haben. Stattdessen floh er, wurde auf einer Landstraße von der Polizei überwältigt und sitzt seit dem 30. Juni in Untersuchungshaft.

Bereits am Tag der Inhaftierung fand ein standardmäßiges Zugangsgespräch statt, bei dem Suizidrisiken erfasst werden sollten. Ein Sprecher des Justizministeriums erklärte, dass eine solche Gefahr vorgelegen habe: „Der Gefangene musste rund um die Uhr ohne Unterbrechung im Blick behalten werden.“ Die besondere Beobachtung wurde jedoch nach Einschätzung einer Psychologin schrittweise gelockert und schließlich am Tag vor seinem Tod ganz aufgehoben. Laut NDR habe der Gefangene keine Suizidabsichten geäußert, stattdessen sogar zur Tataufklärung beitragen wollen und Ideen für die Zeit nach der Haft entwickelt – wie ein Studium oder ein Buchprojekt.

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Protokoll der JVA: Keine dokumentierten Hinweise auf Eigengefährdung

In einem Protokoll der JVA heißt es: „Negative Wahrnehmungen hinsichtlich einer Gesundheitsgefahr beziehungsweise einer Gefahr der Selbstverletzung oder gar der Selbsttötung sind keine dokumentiert.“ Nach ersten Erkenntnissen lägen demnach keine Hinweise auf Fehler der JVA vor. Die internen Untersuchungen seien jedoch noch nicht abgeschlossen.

Die parlamentarische Geschäftsführerin der CDU-Landtagsfraktion, Carina Hermann, kritisierte die Vorgänge scharf. Sollten Berichte zutreffend sein, wonach der Mann bereits nach seiner Festnahme Suizidabsichten geäußert habe, sei nicht erklärbar, wie es zu seinem Tod kommen konnte. Sie forderte Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) zum Handeln auf: „Wenn er jetzt nicht eingreift und für klare Führung sorgt, werden aus den Problemen seiner Justizministerin endgültig seine eigenen.“

Ermittlungen eingestellt – Angehörige ohne strafrechtliche Aufarbeitung

Mit dem Suizid des Tatverdächtigen werden die Ermittlungen wegen Mordes gegen ihn eingestellt – ein Verfahren gegen Tote ist in Deutschland nicht möglich. Die Staatsanwaltschaft erklärte, dass die Abläufe und Hintergründe der Tat dennoch weiter geklärt werden sollen. Gegen die Partnerin des mutmaßlichen Schützen und die Fahrerin des Fluchtwagens wird demnach weiter ermittelt.

Hermann betonte, dass den Angehörigen der Getöteten durch den Suizid die Chance genommen werde, die vollständige strafgerichtliche Aufarbeitung der Tat zu erleben. Der forensische Psychiater Stefan Orlob wies im „Spiegel“ darauf hin, dass die Selbstmordrate in deutschen Gefängnissen etwa fünfmal höher sei als außerhalb. „Aus der klinischen Psychiatrie wissen wir: Wenn sich jemand wirklich suizidieren will, dann ist es unglaublich schwierig, das dauerhaft zu verhindern.“

Die Redaktion weist darauf hin, dass aufgrund der hohen Nachahmerquote in der Regel nicht über Suizide oder Suizidversuche berichtet wird, außer sie erfahren durch die Umstände besondere Aufmerksamkeit. Bei Suizidgedanken kann die Telefonseelsorge unter 0800/111-0-111 und 0800/111-0-222 oder online unter www.telefonseelsorge.de erreicht werden.

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