Streit um Deutschlands größten Meteoriten: Wem gehört der Fund?
Streit um Deutschlands größten Meteoriten: Wem gehört er?

136 Kilogramm schwerer Meteorit aus dem All beschäftigt Gericht

Der größte jemals in Deutschland gefundene Meteorit, ein 136 Kilogramm schwerer Brocken aus Eisen und Nickel, ist Gegenstand eines Rechtsstreits vor dem Landgericht Hof. Das rund 4,6 Milliarden Jahre alte Objekt, das vor etwa 29.000 Jahren bei Issigau im Landkreis Hof einschlug, wurde im Juli 2025 im Foyer des Landesamtes für Umwelt in Hof präsentiert. Seither liegt es jedoch im Tresor, weil unklar ist, wem es gehört.

Zwei konkurrierende Fundgeschichten

Nach Angaben des Landesamtes für Umwelt soll der Meteorit von einem Mann aus Reitzenstein bei Baggerarbeiten an seinem Haus entdeckt worden sein. Doch diese Darstellung wird von einer Unternehmerin aus dem Landkreis Hof bestritten. Sie hat Klage eingereicht, um zu verhindern, dass der Mann als Finder bezeichnet wird, und um die rechtlichen Eigentumsverhältnisse klären zu lassen.

Die Klägerin behauptet, der Meteorit stamme nicht aus Issigau, sondern aus Gumpertsreuth bei Gattendorf. Ein Bauer habe den Brocken bereits in den 1980er Jahren auf dem Hofgut ihrer Familie mit dem Pflug aus der Erde geholt. Da damals niemand erkannte, dass es sich um einen Meteoriten handelte, habe der ungewöhnliche Stein viele Jahre offen auf dem Hofgut als Dekoration gelegen. Nach dem Tod ihres Vaters habe ein damaliger Betriebsleiter den Brocken ohne Erlaubnis nach Reitzenstein gebracht. Das Haus dort habe später der Mann gekauft, der heute als Finder gilt. Die Klägerin wirft ihm vor, die Fundsituation falsch darzustellen: Der Meteorit habe in Reitzenstein nicht verborgen im Boden gelegen, sondern offen auf dem Grundstück.

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Beklagter spricht von Zufallsfund

Der Beklagte hingegen bestreitet nicht grundsätzlich eine Vorgeschichte, gibt aber an, nichts davon gewusst zu haben. Nach seiner Darstellung lag der Brocken nicht sichtbar auf dem Grundstück; er sei bei Baggerarbeiten zufällig darauf gestoßen. „Erst später ist mir der Fund seltsam vorgekommen“, erklärte er im Güteverfahren. Als Werkstofftechniker hätten ihn das ungewöhnliche Gewicht und der sichtbare Rost stutzig gemacht. Daraufhin habe er eine Probe eingeschickt, was zur Identifizierung als Meteorit führte. Diesen Schritt würdigt auch die Klägerin.

Güteverfahren gescheitert – Beweisaufnahme im November

Vor dem Landgericht Hof sollte am Freitagvormittag zunächst eine gütliche Einigung erzielt werden. Der Richter schlug eine ungewöhnliche Lösung vor: Der Meteorit könnte an eine öffentliche Institution wie den Freistaat Bayern übertragen werden, die den Fund der Wissenschaft und Öffentlichkeit zugänglich macht. Zunächst zeigten beide Seiten Sympathie, lehnten jedoch letztlich ab. Der Grund: Bevor der Meteorit übergeben werden könne, müsse geklärt werden, wem er gehört. „Um Geld geht es uns nicht“, betonten beide Seiten, obwohl der materielle Wert beträchtlich ist – auf dem Sammlermarkt wären wohl Hunderttausende Euro erzielbar. Das Gericht setzte den Streitwert vorläufig auf 100.000 Euro fest.

Die Klägerin betonte, es gehe ihr um die Wahrheit: Der richtige Fundort müsse benannt werden, damit die Wissenschaft an der richtigen Stelle weiterforschen könne – ihrer Ansicht nach Gumpertsreuth bei Gattendorf, nicht Reitzenstein bei Issigau. Der Beklagte wiederum kritisierte, die Klägerin habe sofort juristische Schritte eingeleitet, statt das Gespräch zu suchen. Für Ende November ist nun eine Beweisaufnahme angesetzt. Bis dahin bleiben weitere wissenschaftliche Untersuchungen und eine öffentliche Präsentation des Meteoriten ausgeschlossen.

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