Das Landgericht Oldenburg hat die Anklage gegen einen 28-jährigen Polizisten wegen fahrlässiger Tötung zugelassen. Der Beamte soll in der Nacht zu Ostersonntag 2025 in der Oldenburger Fußgängerzone den 21-jährigen Lorenz erschossen haben. Ein Gerichtssprecher bestätigte die Entscheidung am heutigen Montag.
Die Tat und ihre Umstände
Laut Anklage feuerte der Polizist mehrere Schüsse auf Lorenz ab, der von hinten getroffen wurde. Der junge Mann erlitt Treffer in Oberkörper, Hüfte und Kopf und starb wenig später im Krankenhaus. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass Lorenz zum Zeitpunkt der Schussabgabe fliehen wollte, um einer Festnahme zu entgehen. Er hatte zuvor Reizgas versprüht, ein mitgeführtes Messer aber nicht eingesetzt.
Der gewaltsame Tod des Schwarzen sorgte bundesweit für Entsetzen und löste Proteste gegen Polizeigewalt und Rassismus aus. Die Initiative „Gerechtigkeit für Lorenz“ sieht Rassismus als Hauptursache für den Tod des 21-Jährigen.
Juristische Bewertung
Das Landgericht nimmt nach vorläufiger Bewertung an, dass der Polizist irrtümlich von einer Notwehrlage ausging. Der Beamte habe geglaubt, Lorenz wolle ihn mit einem Messer angreifen. Daher liege ein hinreichender Tatverdacht wegen fahrlässiger Tötung vor, nicht aber wegen Totschlags oder Mordes. Die Oldenburger Staatsanwaltschaft hatte den Beamten bereits im November 2025 wegen fahrlässiger Tötung angeklagt.
Wann der Prozess beginnt, ist noch unklar. Das Gericht teilte mit, dass der Termin noch nicht feststehe.
Seltene Verfahren bei tödlichen Polizeischüssen
In Deutschland werden Verfahren gegen Polizisten nach tödlichen Schüssen nur selten eröffnet. Nach Angaben von Experten landen lediglich etwa zwei Prozent der Fälle vor Gericht. Im vergangenen Jahr kamen bei Polizeieinsätzen bundesweit mindestens 16 Menschen ums Leben. In allen Fällen wird automatisch ermittelt, doch die meisten Verfahren werden eingestellt.
Der Fall Lorenz hat erneut Debatten über Polizeigewalt und Rassismus in Deutschland entfacht. Die Initiative „Gerechtigkeit für Lorenz“ fordert eine lückenlose Aufklärung und ein Ende von Diskriminierung durch Sicherheitsbehörden.



