Ein 72-jähriger Mann, der Mitte Mai in Sachsen von einem ausgebrochenen Tiger attackiert worden war, ist am Freitag seinen Verletzungen erlegen. Die Staatsanwaltschaft Leipzig hat Ermittlungen wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung durch Unterlassen eingeleitet und eine Obduktion des Leichnams angeordnet. Ergebnisse der Untersuchung liegen noch nicht vor.
Hintergründe des Angriffs
Der Vorfall ereignete sich am 17. Mai auf dem Gelände einer privaten Tigerhaltung im Schkeuditzer Ortsteil Dölzig. Nach Polizeiangaben hielt sich der Mann „berechtigt“ in dem Gehege auf, als das Raubtier ihn angriff und schwer verletzte. Der Verletzte wurde per Rettungshubschrauber in eine Klinik gebracht und befand sich seitdem ununterbrochen in stationärer Behandlung.
Der entlaufene Tiger wurde von alarmierten Polizeikräften noch am selben Tag an einer Gartenanlage in Dölzig entdeckt und erschossen. Medienberichten zufolge handelt es sich bei der Halterin um eine ehemalige Zirkusdompteurin, deren Betrieb bereits seit längerem umstritten ist.
Mängel in der Tigerhaltung
Bereits Anfang April hatte das Landratsamt Nordsachsen die Besitzerin aufgefordert, die Haltungsbedingungen zu verbessern. Da sie den Vorgaben nicht wie verlangt bis Ende Juni nachkam, wurden ihr sechs der acht verbliebenen Tiger aus Tierschutzgründen entzogen. Die Anlage bietet nach Behördenangaben aktuell nur Platz für zwei Tiere.
Die sechs Tiger wurden inzwischen in eine Auffangstation der Tierschutzorganisation Animal Advocacy and Protection nach Spanien gebracht. Dort leben sie in einem Außengehege von 3000 Quadratmetern.
Debatte um Privathaltung von Raubtieren
Der Vorfall in Sachsen hat eine Debatte um schärfere Vorgaben zur Privathaltung von Raubtieren ausgelöst. Die Staatsanwaltschaft ermittelt nun gegen die Halterin wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung durch Unterlassen. Ob die Obduktion des Opfers neue Erkenntnisse bringt, bleibt abzuwarten.



