Nach einem Polizeieinsatz in der italienischen Stadt Bologna ist ein 43-jähriger Mann ums Leben gekommen. Videoaufnahmen, die den Einsatz dokumentieren, zeigen den Mann am Boden liegend, wie er verzweifelt um Hilfe ruft. Die Familie des Verstorbenen erhebt schwere Vorwürfe gegen die Beamten und spricht von Misshandlung. Die Justiz hat Ermittlungen gegen die beteiligten Polizisten eingeleitet.
Was geschah am Sonntag in Bologna?
Die Polizei wurde am vergangenen Sonntag, dem 19. Juli, in den Stadtteil Pilastro von Bologna gerufen. Anwohner hatten einen Mann gemeldet, der sich aggressiv verhalte. Nach Behördenangaben soll der 43-Jährige unter anderem gegen einen Streifenwagen geschlagen haben. Die Beamten setzten eigenen Angaben zufolge Pfefferspray ein und fixierten den Mann mit Kabelbindern an den Handgelenken.
Videoaufnahmen, die von lokalen Medien veröffentlicht wurden, zeigen den Mann minutenlang am Boden liegend, während er um Hilfe fleht: „Aiuto! Basta, basta!“ („Hilfe! Genug, genug!“) ist auf den Aufnahmen zu hören. Kurz darauf verstarb der Mann. Die genaue Todesursache steht noch nicht fest.
Familie erhebt schwere Vorwürfe
Die Schwester des Verstorbenen erklärte, ihr Bruder sei misshandelt worden. Sie fordert Aufklärung und spricht von einem gewaltsamen Vorgehen der Beamten. Der Mann hatte marokkanische Wurzeln, lebte aber seit seiner Kindheit in Italien. Er war verheiratet und Inhaber einer Umzugsfirma. Nach Angaben von Angehörigen litt er unter gesundheitlichen Problemen und war polizeibekannt.
Die Polizei wies die Vorwürfe in einer ersten Reaktion zurück. Man sei auf Anforderung und aufgrund von Beschwerden seitens Nachbarn eingeschritten. Die Polizisten hätten den Mann unter schwierigsten Umständen fixieren müssen. Aufnahmen der von den Polizisten getragenen Bodycams sollen zur vollständigen Aufklärung des Einsatzes beitragen.
Fall wird zum Politikum
Der Tod des Mannes hat in Italien eine Debatte über Polizeigewalt ausgelöst. Die Senatorin Ilaria Cucchi der links-grünen Partei AVS fordert eine restlose Aufarbeitung des Vorfalls. Der sozialdemokratische Bürgermeister von Bologna, Matteo Lepore, rief zu einer öffentlichen Gedenk- und Solidaritätskundgebung mit der Familie des Verstorbenen am Montagabend auf. Ziel der Versammlung sei es, „Wahrheit und Gerechtigkeit im Todesfall zu fordern“ sowie gemeinsam innezuhalten und über die Tragödie nachzudenken.
Die Ermittlungen der Justiz laufen. Die Videoaufnahmen, die den Einsatz dokumentieren, werden derzeit ausgewertet. Sie sollen Aufschluss über die genauen Umstände des Todes geben.



