Spanien: 1,3 Millionen Migranten beantragen Aufenthaltsgenehmigung
1,3 Mio. Anträge: Spanien legalisiert Migranten

Das historische Programm zur Legalisierung von Migranten ohne Papiere in Spanien endet am Dienstag, und die Zahl der Anträge hat alle Erwartungen übertroffen. Nach neuesten Daten der nationalen Erfassungsplattform „Mercurio“ ist die Zahl der eingereichten Anträge auf eine legale Aufenthaltserlaubnis auf rund 1,3 Millionen emporgeschnellt. Offiziell bestätigt ist diese Zahl von der Regierung zwar nicht, doch bereits Mitte Juni lag die offizielle Zwischenbilanz bei 900.000 Anträgen.

Von der Schattenwirtschaft in die Legalität

Ursprünglich plante die linksgerichtete Regierung von Pedro Sánchez, rund eine halbe Million illegal beschäftigte Migranten aus der Schattenwirtschaft zu holen und in offizielle, sozialversicherungspflichtige Arbeit zu überführen. Viele der Zuwanderer, insbesondere aus Südamerika, waren nicht mit Schlepperbooten oder auf anderen irregulären Wegen ins Land gekommen, sondern mit einem Touristenvisum, nach dessen Ablauf sie einfach in Spanien blieben.

Alle Einwanderer, die nachweisen konnten, dass sie sich am 31. Dezember 2025 seit fünf Monaten in Spanien aufgehalten und keine Straftaten begangen hatten, konnten eine vorläufige Aufenthaltserlaubnis mit Arbeitserlaubnis beantragen. Nach einem Jahr kann diese in eine reguläre Aufenthaltserlaubnis umgewandelt werden.

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Bürokratische Hürden und letzte Fristen

Als größte bürokratische Hürde erwies sich laut eines Berichts der spanischen Zeitung „El País“ die Beschaffung von strafrechtlichen Führungszeugnissen aus den Herkunftsländern. Viele Migranten warteten bis zur letzten Sekunde auf ihre Papiere. Wer das Zeugnis noch nicht vorliegen hatte, durfte den Antrag im letzten Moment auch ohne einreichen – sofern nachgewiesen wird, dass das Dokument beantragt wurde. Dem Staat verbleiben dann drei Monate Zeit, das Zeugnis auf diplomatischem Weg einzuholen. Ohne ein sauberes Führungszeugnis wird das Verfahren am Ende jedoch negativ beschieden.

Das Programm basiert auf einer Volksinitiative aus dem Jahr 2024, die mehr als 700.000 Unterschriften gesammelt hatte und von einem breiten Bündnis aus NGOs, Gewerkschaften, Arbeitgeberverbänden und der katholischen Kirche getragen wurde. Die konservativen Christdemokraten der PP, die die Volksinitiative anfangs noch mitgetragen hatten, schwenkten zuletzt allerdings auf einen harten Oppositionskurs um.

Kritik an Abschiebungen und Betrug

Sanchez' linker Koalitionspartner Sumar forderte in den vergangenen Tagen eine Verlängerung der Fristen. Tausende Menschen seien „in der Bürokratie gefangen“ und würden Opfer von Betrügern, die horrende Summen für gefälschte Termine oder Papiere verlangten, kritisierte Fraktionsvize Aina Vidal. Zudem schiebe das Innenministerium weiterhin Menschen ab, die kurz vor der Einreichung ihrer Anträge stünden.

„El País“ zitiert eine 71-jährige Kubanerin, die in Madrid bisher als Reinigungskraft und in der Altenpflege gearbeitet hat. Sie lobte das Programm insgesamt als „intelligent und pragmatisch“. Spanien profitiere von den Arbeitskräften und habe zudem eine historische Schuld gegenüber Lateinamerika abzutragen. Für sie und die 1,3 Millionen anderen Antragsteller sei das Verfahren mehr als nur ein Verwaltungsakt, sondern vielmehr eine „Rettungsinsel“ und ein lang ersehnter Schritt aus dem Schatten in ein Leben in Würde.

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