Die Diskussion um den Doppelpass in Deutschland bekommt neue Nahrung. Aktuelle Zahlen belegen, dass fast alle Menschen, die in den vergangenen Jahren die deutsche Staatsbürgerschaft angenommen haben, auch ihre bisherige Staatsangehörigkeit behalten haben. Damit setzt sich der Trend zur Mehrstaatigkeit ungebrochen fort.
Hohe Quote der Beibehaltung der alten Staatsbürgerschaft
Laut einer Auswertung des Statistischen Bundesamtes haben im Jahr 2023 rund 96 Prozent der Eingebürgerten ihre ursprüngliche Staatsangehörigkeit nicht aufgegeben. Dies bedeutet, dass nur knapp vier Prozent der Neubürger auf ihre alte Staatsbürgerschaft verzichtet haben. Besonders hoch ist der Anteil der Doppelstaatler bei Menschen aus Nicht-EU-Staaten. Hier liegt die Quote bei über 98 Prozent.
Die Zahlen verdeutlichen, dass die Regelung des Staatsangehörigkeitsrechts, die seit 2014 eine grundsätzliche Hinnahme von Mehrstaatigkeit vorsieht, in der Praxis vollständig greift. Damals wurde die sogenannte Optionspflicht abgeschafft, die junge Deutsche mit Migrationshintergrund zwang, sich zwischen der deutschen und einer anderen Staatsangehörigkeit zu entscheiden.
Gründe für den Anstieg der Doppelpass-Zahlen
Experten führen den Anstieg auf mehrere Faktoren zurück. Zum einen erleichtern viele Herkunftsländer ihren Bürgern die Beibehaltung der Staatsangehörigkeit. Zum anderen sehen viele Einbürgerungswillige in der doppelten Staatsbürgerschaft einen praktischen Vorteil, etwa für Reisen oder berufliche Tätigkeiten im Herkunftsland.
Kritiker der Entwicklung warnen hingegen vor einer Entwertung der deutschen Staatsbürgerschaft. Sie argumentieren, dass die Bereitschaft, die alte Staatsangehörigkeit aufzugeben, ein Zeichen für die Identifikation mit Deutschland sei. Befürworter betonen dagegen, dass der Doppelpass die Integration fördere, da die Menschen nicht gezwungen würden, sich gegen ihre Herkunft zu entscheiden.
Politische Debatte um die Zukunft der Einbürgerung
Die aktuellen Zahlen dürften die politische Diskussion um das Staatsangehörigkeitsrecht neu entfachen. Während die Ampel-Koalition eine weitere Liberalisierung plant, fordern Union und Teile der FDP eine Rückkehr zur strikten Vermeidung von Mehrstaatigkeit. Das Bundesinnenministerium kündigte an, die Entwicklung weiter zu beobachten und gegebenenfalls gesetzliche Nachjustierungen vorzunehmen.
Insgesamt bleibt der Doppelpass ein zentrales Thema in der deutschen Einwanderungs- und Integrationspolitik. Die aktuellen Zahlen zeigen, dass die Mehrstaatigkeit in der Bevölkerung weitgehend akzeptiert wird und sich als Normalfall etabliert hat.



