Sexualdelikte in Berliner Nahverkehr steigen um neun Prozent
Sexualdelikte im Nahverkehr: Anstieg um neun Prozent

Die Anzahl der angezeigten Sexualdelikte im öffentlichen Nahverkehr Berlins ist im Jahr 2025 im Vergleich zum Vorjahr um knapp neun Prozent gestiegen. Laut einer Antwort der Senatsinnenverwaltung und der Polizei auf eine Anfrage der Grünen wurden 421 Fälle registriert, gegenüber 388 im Jahr 2024. Insgesamt sank die Zahl der Straftaten in U-Bahnen, S-Bahnen, Trams, Regionalzügen und Bussen jedoch um etwa zwölf Prozent auf 13.585 Fälle.

Anstieg bei Sexualdelikten: Schockierender Trend

Die Grünen-Abgeordnete Antje Kapek bezeichnete den Anstieg als „schockierend“. Besonders betroffen sind S-Bahnen, Regionalbahnen, U-Bahnen und Straßenbahnhaltestellen. Kapek wies darauf hin, dass dieser Trend bereits in den Vorjahren erkennbar war. Offen bleibt, ob die Zunahme auf eine tatsächliche Steigerung der Delikte oder eine höhere Anzeigebereitschaft der Opfer zurückzuführen ist.

Die Statistik zeigt ein klares Täter-Opfer-Muster: Von 407 erfassten Opfern waren 364 weiblich, also 89 Prozent. Bei den Tatverdächtigen waren 171 von 174 männlich, was einem Anteil von 98 Prozent entspricht. „Sexualisierte Gewalt im ÖPNV ist Gewalt von Männern gegenüber Frauen“, betonte Kapek.

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Videoüberwachung mit begrenztem Erfolg

Die Videoüberwachung trägt nur geringfügig zur Aufklärung bei. Laut der Senatsverwaltung wurden 29 Taten durch die Auswertung von BVG-Videomaterial aufgeklärt, darunter fünf Sexualdelikte. Kapek forderte daher neue Sicherheitsstrategien: „Sicherheitsstrategien im Zug und Bus, sowie an den Haltestellen und Bahnhöfen sind angesichts der wachsenden Zahl an Sexualdelikten nötig.“ Die bisherigen Maßnahmen reichten nicht aus, um Frauen ausreichend zu schützen.

Grüne fordern Frauenabteile als Pilotprojekt

Erneut brachte Kapek die Forderung nach reservierten Abteilen für Frauen in U- und S-Bahnen ins Spiel – zumindest als Pilotprojekt. Solche Abteile gibt es bereits in einigen Großstädten anderer Länder. Die BVG und der Senat lehnten dies in der Vergangenheit jedoch ab. Die Senatsinnenverwaltung erklärte: „Die BVG hat den Anspruch und das Ziel, dass alle Fahrgäste zu jeder Zeit in unseren Fahrzeugen und Anlagen sicher sind.“ Täglich seien rund 250 Wachleute im gesamten Netz im Einsatz, die Bahn setze zudem über 600 Sicherheitskräfte in ihren Zügen ein.

Getrennte Bereiche für einzelne Nutzergruppen seien nicht vorgesehen. Viele neue U-Bahnzüge seien durchgehend begehbar und böten keine Möglichkeit für abgetrennte Wagen. Die Diskussion über Frauenabteile bleibt damit vorerst offen.

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