In Tschechien plant die rechte Regierung unter Ministerpräsident Andrej Babis ein gesetzliches Verbot von Handys und anderen elektronischen Kommunikationsgeräten wie Smartwatches an Schulen. Der entsprechende Gesetzentwurf wurde vom Kabinett beschlossen und soll am 1. September 2027 in Kraft treten. Die Zustimmung beider Parlamentskammern, des Abgeordnetenhauses und des Senats, steht noch aus.
Kritik von Opposition und Kinderbeauftragtem
Die Opposition bezeichnete den Vorstoß als populistisch. Martin Kupka, Vorsitzender der Demokratischen Bürgerpartei (ODS), kritisierte: „Ein flächendeckendes Handyverbot macht die Lehrer zu Rucksack-Kontrolleuren.“ Statt eines Verbots plädierte er dafür, Kindern den richtigen Umgang mit digitalen Medien beizubringen und landesweit Schultablets einzuführen.
Auch Tschechiens Beauftragter für Kinderrechte, Martin Benes, stellte sich gegen den Gesetzentwurf. Er warnte, dass das Verbot dazu führen könne, dass Kinder die Schule negativ wahrnehmen – als einen Ort, der ihre Freiheit einschränkt, ohne dass sie an der Gestaltung der Regeln beteiligt würden. Zudem sei eine gesetzliche Regelung überflüssig, da bereits 93 Prozent der Schulen den Umgang mit Smartphones in ihrer Hausordnung geregelt hätten.
Geplantes Verbot auch in Pausen und bei Mittagessen
Die Initiatoren des Gesetzentwurfs argumentieren, dass die Maßnahme die Konzentration der Schüler im Unterricht verbessern und Schikane über soziale Medienkanäle verhindern solle. Das Verbot soll nicht nur im Unterricht, sondern auch in den Pausen, während des Mittagessens und in der Nachmittagsbetreuung gelten. Es betrifft alle Schülerinnen und Schüler bis zum Ende der gesetzlichen Schulpflicht nach neun Jahren.
Kritiker befürchten hingegen Frust bei den Schülern und eine zusätzliche Belastung für Lehrkräfte, die nun die Einhaltung des Verbots kontrollieren müssten. Die Debatte über die Auswirkungen des Verbots auf das Schulklima und die digitale Bildung dürfte in den kommenden Monaten anhalten.



