In der Affäre um ein sexualisiertes KI-Video in der niedersächsischen CDU-Landtagsfraktion hat sich Landeschef Sebastian Lechner in einem Brief an die Parteimitglieder gewandt. Das interne Schreiben liegt WELT vor. Lechner bezeichnet das Bekanntwerden der Vorwürfe als „schockierende Nachricht für uns alle“, die „fassungslos“ mache.
Man habe den Sachverhalt „proaktiv kommuniziert“ und eine Stellungnahme veröffentlicht. „Gerne hätten wir zu dem Sachverhalt noch eindeutiger Stellung bezogen und weitere Hintergründe benannt“, so Lechner, „doch das war aus rechtlichen Gründen nicht möglich“. Eine Medienrechtskanzlei sei eingeschaltet worden, um die Persönlichkeitsrechte aller Beteiligten zu schützen.
Zum weiteren Vorgehen betont Lechner: „Alles muss transparent und lückenlos aufgeklärt werden.“ Man werde umfassend mit der Justiz kooperieren. „Bei frauenfeindlichen Denk- und Verhaltensweisen gibt es in der CDU null Toleranz“, so Lechner. Es gebe „offensichtlich noch Defizite“ auf dem Weg zu einer modernen Partei.
Der Hintergrund: Am 17. Januar 2026 postete ein leitender Angestellter der Fraktion in einer privaten WhatsApp-Chatgruppe ein KI-generiertes Video, das eine weitere leitende Mitarbeiterin sexualisiert darstellte. Zwei Monate später wurde die Affäre im Landtag bekannt. Der Mitarbeiter wurde freigestellt und fristlos gekündigt.
Die Staatsanwaltschaft Hannover bestätigte den Vorgang, ermittelt aber bislang nicht. Das Video sei gesichtet worden: eine Frau im Bikini, die einer Mitarbeiterin ähnelt. Es liege der Verdacht auf eine Verletzung des Kunsturhebergesetzes vor, jedoch kein Strafantrag. Die Frist für ein Antragsdelikt läuft noch.



