NRW: Rechte Gewalt erreicht Höchststand – 724 Opfer im Jahr 2025
NRW: Rechte Gewalt auf Höchststand – 724 Opfer

Unabhängige Opferberatungsstellen in Nordrhein-Westfalen haben für das Jahr 2025 einen neuen Höchststand bei rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt gemeldet. Mindestens 724 Menschen wurden bei 623 dokumentierten und verifizierten Angriffen Opfer rechter Gewalt, wie die Fachstellen Opferberatung Rheinland (OBR) aus Düsseldorf und BackUp NRW aus Dortmund mitteilten. Die Zahl der Fälle stieg im Vergleich zu 2024 um 18,4 Prozent.

Zunehmende Enthemmung und gesellschaftliches Klima

Die Beratungsstellen beklagen eine wachsende Enthemmung der Gewalt und ein gesellschaftliches Klima, in dem menschenfeindliche Einstellungen immer sichtbarer würden. Täter fühlten sich zunehmend in ihrem Handeln bestärkt. Körperverletzungsdelikte machten laut Jahresstatistik 50,7 Prozent der dokumentierten Taten aus, Nötigungen und Bedrohungen rund 45 Prozent. Die restlichen Fälle umfassten unter anderem Brandstiftung, Sachbeschädigung, Freiheitsberaubung und Landfriedensbruch.

Rassismus bleibt häufigstes Tatmotiv

Besonders auffällig ist die nahezu Verdopplung rechter Angriffe auf politische Gegner: 181 Taten wurden 2025 gezählt. Rassistische Gewalt bleibt mit 313 dokumentierten Fällen die häufigste Tatmotivation. Darüber hinaus erfassten die Beratungsstellen 57 antisemitische und 54 queerfeindliche Gewalttaten. „Menschen werden dort angegriffen, wo sie ihre Identität selbstbewusst öffentlich leben“, sagte Sabrina Hosono von der Opferberatung Rheinland mit Blick auf den Angriff auf Teilnehmer des ersten Christopher Street Days in Soest 2025.

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Kinder und Jugendliche als Opfer

Rechte Angriffe richten sich zunehmend auch gegen Minderjährige. Mindestens 50 Kinder und Jugendliche waren 2025 betroffen, meist von rassistisch motivierten Taten. Die Gewalt umfasste überwiegend einfache und gefährliche Körperverletzungen sowie Bedrohungen und Nötigungen. „Sie geschieht nicht am Rand der Gesellschaft, sondern dort, wo Kinder aufwachsen: auf dem Schulweg, in der Schule, im Wohnumfeld oder im öffentlichen Raum“, erklärte Hosono. Viele Betroffene litten noch lange unter Angstzuständen, Schlafstörungen, Konzentrationsproblemen und einem erschütterten Sicherheitsgefühl. Orte, die zuvor selbstverständlich waren, seien plötzlich mit Angst verbunden – wie der Weg zur Arbeit, die Schule der Kinder oder der Bahnhof.

Sorge um Finanzierung der Beratungsstellen

Die beiden Beratungsstellen erheben seit 2017 gemeinsame Daten zu rechten Gewalttaten in NRW. Finanziert werden sie durch das Bundesprogramm „Demokratie leben“, das NRW-Gleichstellungsministerium und die Landeszentrale für politische Bildung. Angesichts des geplanten Umbaus des Programms durch Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU) befürchten die NRW-Beratungsstellen jedoch gravierende Einschnitte. Die geplanten Kürzungen verunsicherten Mitarbeiter und gefährdeten etablierte Strukturen, hieß es.

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