Die Zahl rechtsextremer Vorfälle an Schulen in Sachsen-Anhalt hat im Jahr 2022 einen Höchststand erreicht. Laut Innenministerium wurden 78 Vorfälle registriert, so viele wie in keinem der vorherigen zehn Jahre. Die Dunkelziffer dürfte noch deutlich höher liegen, da nicht jede Schmiererei oder rassistische Beleidigung gemeldet wird.
Die politische Bildungsreferentin Cathleen Hoffmann von den „Landheld*innen“ berichtet, dass rechte Vorfälle heute fast flächendeckend und unabhängig von Ort und Schulform auftreten, bereits ab der fünften Klasse. Sie führt dies auf vielfältige Wege wie Videos, Chatgruppen und andere digitale sowie analoge Kanäle zurück, über die solche Strömungen in die Schulen gelangen.
Um dem entgegenzuwirken, setzt das Modellprojekt „Landheld*innen“ auf Demokratiebildung. In einem Feriencamp in Arendsee leitete Hoffmann ein Demokratiespiel, bei dem Jugendliche in fiktiven Stadtratsfraktionen Kompromisse aushandeln mussten. Ziel ist es, demokratische Werte zu verinnerlichen und die Jugendlichen zu befähigen, sich kritisch mit demokratiefeindlichen Inhalten auseinanderzusetzen.
Landesschülersprecherin Greta Steinmetz beobachtet ebenfalls eine Zunahme von Rassismus und Antisemitismus an Schulen, verstärkt durch soziale Medien. Sie betont, dass viele Jugendliche aus Unwissenheit oder Provokation handeln und oft nicht die dahinterstehende Ideologie kennen. Eine frühzeitige Sensibilisierung sei notwendig.
Der Rechtsextremismusexperte David Begrich vom Miteinander e.V. weist darauf hin, dass nicht jeder Chat-Inhalt bereits ein Indikator für rechtsextreme Einstellungen sei. Relevant werde es, wenn sich das Verhalten auch auf dem Schulhof widerspiegele. Er stellt jedoch fest, dass rechte Einstellungen unter Jugendlichen wieder salonfähig werden, ähnlich wie in den 1990er und 2000er Jahren.



