Armutsquote in Deutschland steigt auf traurigen Rekord von 16,1 Prozent
Armutsquote in Deutschland erreicht traurigen Rekord

Die soziale Spaltung in Deutschland hat sich weiter verschärft. Nach einem neuen Bericht des Paritätischen Wohlfahrtsverbands ist die Armutsquote auf einen neuen Höchststand gestiegen. Von 2024 auf 2025 erhöhte sich der Anteil der armutsgefährdeten Bevölkerung um 0,6 Prozentpunkte auf 16,1 Prozent. Das bedeutet, dass rund 13,3 Millionen Menschen in Deutschland von relativer Einkommensarmut betroffen sind.

Definition von Armutsgefährdung

Als armutsgefährdet gelten Menschen, die über weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens verfügen. Für Alleinlebende lag diese Grenze zuletzt bei netto 1.446 Euro im Monat, für Haushalte mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern unter 14 Jahren bei 3.036 Euro. Der Paritätische Wohlfahrtsverband spricht in diesem Zusammenhang von einem „traurigen Rekord“. In keinem der vorangegangenen Jahre seien so viele Menschen von Armut betroffen gewesen.

Negative Trendwende

Nach rückläufigen Quoten zwischen 2020 und 2023 habe es nun eine „negative Trendwende“ gegeben, betont der Verband. Die regionalen Unterschiede sind dabei enorm. Die niedrigsten Betroffenenquoten weisen Bayern mit 12,6 Prozent und Baden-Württemberg mit 13,2 Prozent auf – beides Bundesländer mit starker Wirtschaftsstruktur. Die höchsten Anteile finden sich in Bremen (27,5 Prozent), Sachsen-Anhalt (21,3 Prozent) sowie den Stadtstaaten Hamburg (18,9 Prozent) und Berlin (18,7 Prozent). In Westdeutschland sind Regionen wie Trier (21,4 Prozent), Weser-Ems (20,8 Prozent) und Arnsberg (19,6 Prozent) besonders betroffen, in Ostdeutschland Chemnitz (18,2 Prozent) oder Leipzig (17,4 Prozent).

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Besonders betroffene Gruppen

„Der Lebensabend droht zur Armutsfalle zu werden“, warnt der Paritätische Wohlfahrtsverband. Fast jede fünfte Person ab 65 Jahren ist von Armut betroffen oder armutsgefährdet. Auch andere Gruppen leiden überdurchschnittlich: Alleinlebende (30,3 Prozent), Alleinerziehende (28,9 Prozent) und Menschen mit niedrigem Bildungsabschluss (29,1 Prozent).

Strukturelle Benachteiligungen

Die Autoren des Berichts betonen: „Insgesamt zeigen die aktuellen Entwicklungen, dass Armut insbesondere dort zunimmt, wo strukturelle Benachteiligungen bestehen – etwa bei geringer Bildung oder eingeschränktem Zugang zum Arbeitsmarkt.“ Vier von fünf Betroffenen sind demnach nicht erwerbstätig. 70 Prozent der Betroffenen haben die deutsche Staatsangehörigkeit, 30 Prozent eine ausländische.

Akute Finanznot

In vielen Haushalten herrscht akute Finanznot. Bei 6,9 Prozent der Bevölkerung reichten die Finanzen im vergangenen Jahr nicht aus, um laufende Kosten zu decken. Oft konnten steigende Preise für Strom und Heizung nicht bezahlt werden, auch die Anschaffung eines neuen Kühlschranks oder Herds war für viele unmöglich.

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