Die Überlastung der deutschen Justiz führt nach Ansicht der Linken zu absurden Zuständen. So müssten sich Staatsanwälte mit gestohlenen Schokoriegeln befassen, während schwere Straftaten wie Korruption oder Wirtschaftskriminalität auf der Strecke blieben. Das beklagt die rechtspolitische Sprecherin der Linken-Bundestagsfraktion, Clara Bünger, in einem aktuellen Positionspapier.
Politik trägt Verantwortung
Bünger macht die Politik für die Misere verantwortlich. „Die Justiz ist chronisch unterfinanziert und personell unterbesetzt“, sagte sie dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). „Die Politik zwingt Staatsanwälte dazu, sich mit Bagatelldelikten zu beschäftigen, während sie für komplexe Verfahren keine Kapazitäten haben.“
Beispiele aus der Praxis
Konkret nennt Bünger Fälle, in denen Verfahren wegen des Diebstahls von Lebensmitteln im Wert von wenigen Euro monatelang die Ermittler beschäftigen. „Das ist nicht nur ineffizient, sondern auch eine Verschwendung von Steuergeldern“, so die Linken-Politikerin. Sie fordert eine Reform der Strafprozessordnung, um Bagatellfälle schneller einstellen zu können.
Forderungen der Linken
Die Linke verlangt unter anderem eine deutliche Aufstockung des Justizpersonals und eine bessere Ausstattung der Gerichte. „Wir brauchen mehr Richter und Staatsanwälte, aber auch mehr Rechtspfleger und IT-Fachleute“, erklärte Bünger. Zudem müsse die Politik klare Prioritäten setzen: „Schwere Straftaten wie Steuerhinterziehung, Korruption oder Umweltverbrechen müssen konsequent verfolgt werden, während kleinere Delikte entkriminalisiert oder mit Alternativen wie Mediation gelöst werden sollten.“
Kritik an Bundesregierung
Die Bundesregierung habe in dieser Legislaturperiode kaum etwas gegen die Überlastung der Justiz unternommen, kritisiert die Linke. Dabei seien die Zahlen alarmierend: Laut aktueller Statistik haben die Staatsanwaltschaften bundesweit rund 1,8 Millionen Verfahren zu bearbeiten – bei gleichzeitig steigender Komplexität der Fälle. „Die Politik muss endlich handeln, bevor das System kollabiert“, warnt Bünger.
Die Forderungen der Linken stoßen bei anderen Parteien auf geteiltes Echo. Während SPD und Grüne grundsätzliche Sympathie signalisieren, warnen Union und FDP vor übereilten Reformen. „Eine Entkriminalisierung von Bagatelldelikten darf nicht dazu führen, dass Diebstahl bagatellisiert wird“, sagte der rechtspolitische Sprecher der Union, Günter Krings, dem RND.



