In Niedersachsen ist die Zahl der Inobhutnahmen von Kindern und Jugendlichen im vergangenen Jahr gesunken. Wie das Statistische Landesamt Niedersachsen mitteilte, wurden 2025 insgesamt 5.020 Kinder in Obhut genommen – 184 weniger als im Vorjahr. Der Rückgang ist vor allem auf einen deutlichen Rückgang bei den unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen zurückzuführen.
Weniger unbegleitete Minderjährige, mehr überforderte Eltern
Die Statistik zeigt, dass die Zahl der Inobhutnahmen wegen überforderter Eltern gleichzeitig gestiegen ist. In rund zwei von fünf Fällen (40 Prozent) lag die Ursache in einer Überforderung der Eltern. Weitere 20 Prozent der Fälle waren auf Vernachlässigung zurückzuführen. Besonders auffällig ist der Anstieg bei Kindern im Alter von neun bis 13 Jahren.
„Die gestiegene Zahl der Fälle mit überforderten Eltern zeigt den wachsenden Druck in Familien“, erklärte ein Sprecher des Landesamtes. Die meisten Meldungen kamen von Jugendämtern oder sozialen Diensten. Allerdings nahmen auch Anzeigen durch die Polizei oder durch die Kinder selbst zu.
Inobhutnahme als Schutzmaßnahme
Inobhutnahmen werden von den Jugendämtern durchgeführt, wenn eine akute Gefahr für das Kind oder den Jugendlichen besteht. Dies kann bei Vernachlässigung, Misshandlung oder auch bei unbegleiteter Einreise Minderjähriger der Fall sein. Die Maßnahme dient dem Schutz des Kindes und wird in der Regel zeitlich befristet.
Der Rückgang der Gesamtzahl ist vor allem darauf zurückzuführen, dass deutlich weniger unbegleitete Minderjährige aus dem Ausland nach Niedersachsen kamen. Diese Gruppe war in den Vorjahren für einen großen Teil der Inobhutnahmen verantwortlich. Im Jahr 2025 hingegen sank die Zahl der unbegleiteten Einreisen, was sich direkt auf die Statistik auswirkte.
Regionale Unterschiede und Ausblick
Die Daten des Statistischen Landesamtes zeigen auch regionale Unterschiede innerhalb Niedersachsens. In einigen Landkreisen und kreisfreien Städten stieg die Zahl der Inobhutnahmen, während sie in anderen sank. Die Behörden betonen, dass die Zahlen genau beobachtet werden, um frühzeitig auf Trends reagieren zu können.
Experten fordern mehr Unterstützung für Familien, um Überforderungssituationen zu vermeiden. „Präventive Angebote wie Familienberatung oder Hilfen zur Erziehung können dazu beitragen, dass Kinder gar nicht erst in Obhut genommen werden müssen“, sagte eine Sprecherin des Sozialministeriums. Die Landesregierung hat bereits angekündigt, die Mittel für die Kinder- und Jugendhilfe aufzustocken.



