Die geplante tiefgreifende Rentenreform in Deutschland steht in der Kritik. Insbesondere die Grünen monieren, dass der Kampf gegen den Anstieg der Altersarmut vernachlässigt werde. Dabei hatte die Rentenkommission, die das Konzept erarbeitete, durchaus Empfehlungen zur Bekämpfung von Altersarmut vorgelegt. „Zwei der insgesamt 33 Empfehlungen zielten direkt auf die Altersarmut“, sagte Kommissionsmitglied Cremer. Die Frage ist nun, ob diese Vorschläge ausreichen, um die wachsende Armut im Alter zu stoppen.
Kritik der Grünen: Zu wenig gegen Altersarmut
Die Grünen werfen den Rentenreformern vor, die soziale Schieflage zu ignorieren. „Die Reform konzentriert sich zu sehr auf die Stabilisierung der Beitragssätze, während die Altersarmut weiter zunimmt“, erklärte ein Sprecher der Partei. Besonders problematisch sei, dass viele Geringverdiener und Menschen mit Erwerbsminderung auch nach jahrzehntelanger Arbeit nur eine Mini-Rente erhalten. Die Kommission habe zwar die Einführung einer Grundrente empfohlen, doch diese sei nicht ausreichend, um alle Betroffenen zu erreichen.
Die Empfehlungen der Rentenkommission
Die Rentenkommission hatte im Juni 2026 ihren Abschlussbericht vorgelegt. Von den 33 Empfehlungen zielen zwei direkt auf die Altersarmut: die Einführung einer Grundrente und die Aufstockung der Erwerbsminderungsrente. Die Grundrente soll langjährige Geringverdiener entlasten, während die Erwerbsminderungsrente für Menschen, die aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr arbeiten können, verbessert werden soll. Allerdings kritisieren Experten, dass diese Maßnahmen nicht ausreichen, um die steigende Altersarmut zu bekämpfen. „Die Reform greift zu kurz“, sagt der Sozialverband VdK. „Es braucht eine grundlegende Neuausrichtung der Rentenpolitik.“
Zahlen zur Altersarmut in Deutschland
Laut Statistischem Bundesamt lag die Armutsgefährdungsquote von Menschen über 65 Jahren im Jahr 2025 bei 18,4 Prozent. Das bedeutet, dass fast jeder fünfte Senior von Armut bedroht ist. Besonders betroffen sind Frauen, die wegen Kindererziehung oder Teilzeitarbeit oft niedrigere Rentenansprüche haben. Die Zahl der Empfänger von Grundsicherung im Alter stieg in den letzten Jahren kontinuierlich an: 2025 bezogen rund 1,2 Millionen Menschen diese Leistung. Ohne Gegenmaßnahmen könnte diese Zahl weiter steigen.
Was wirklich helfen würde: Expertenvorschläge
Sozialverbände fordern eine deutliche Erhöhung der Grundrente und eine bessere Absicherung von Erwerbsminderungsrentnern. „Wir brauchen eine Rente, die vor Armut schützt“, sagt der Sozialverband Deutschland. Konkret schlagen Experten vor, die Rentenformel zu ändern, um niedrige Einkommen besser zu berücksichtigen. Auch eine Anhebung des Rentenniveaus wird diskutiert. Die Bundesregierung plant jedoch, das Rentenniveau bis 2030 stabil zu halten, was nach Ansicht von Kritikern nicht ausreicht. „Wir müssen das Rentenniveau erhöhen, nicht nur stabilisieren“, betont der Sozialexperte Christoph Butterwegge.
Die politische Debatte: Stillstand oder Reform?
Die Rentenreform ist eines der zentralen Themen der laufenden Legislaturperiode. Während die Ampel-Koalition auf eine nachhaltige Finanzierung setzt, fordern die Grünen mehr soziale Gerechtigkeit. Die Opposition, insbesondere die Linke, wirft der Regierung vor, die Altersarmut zu ignorieren. „Die Rentenreform ist ein Armutszeugnis“, erklärte die Linke-Vorsitzende. Die Debatte zeigt, wie schwierig es ist, einen Konsens zwischen Beitragsstabilität und Armutsbekämpfung zu finden. Klar ist: Ohne zusätzliche Maßnahmen droht die Altersarmut weiter zu steigen.



