Sachsen-Anhalt: Nur jedes achte Kind nutzt Teilhabe-Hilfe
Sachsen-Anhalt: Kaum Kinder nutzen Teilhabe-Hilfe

In Sachsen-Anhalt nutzen viele Kinder und Jugendliche aus einkommensarmen Familien die finanziellen Hilfen für Freizeit und Bildung nicht, obwohl sie Anspruch darauf haben. Laut einer Analyse der Bertelsmann Stiftung erhalten nur 13,1 Prozent der anspruchsberechtigten 6- bis unter 15-Jährigen im Bürgergeld-Bezug den monatlichen Teilhabebetrag von 15 Euro. Bei den 15- bis unter 18-Jährigen sind es sogar nur 6,7 Prozent.

Bundesweiter Vergleich zeigt Nachholbedarf

Sachsen-Anhalt liegt damit unter dem Bundesdurchschnitt. Bundesweit beziehen 18,3 Prozent der anspruchsberechtigten 6- bis unter 15-Jährigen und 12,1 Prozent der 15- bis unter 18-Jährigen den Teilhabebetrag. In Schleswig-Holstein erhalten fast sechs von zehn anspruchsberechtigten Kindern im Alter von 6 bis unter 15 Jahren die Leistung, in Sachsen-Anhalt ist es nur gut jedes achte Kind.

Hilfen für Bildung und Freizeit

Der Teilhabebetrag ist Teil des Bildungs- und Teilhabepakets. Er kann unter anderem für Vereinsmitgliedschaften, Musikunterricht oder Ferienfreizeiten genutzt werden. Darüber hinaus umfasst das Paket Zuschüsse für Schulbedarf, Klassenfahrten und Ausflüge, Schülerbeförderung, Lernförderung sowie das gemeinsame Mittagessen in Schule oder Kita. Auch andere Leistungen erreichen nach Einschätzung der Stiftung bundesweit längst nicht alle Berechtigten. Den Zuschuss für Schulbedarf erhalten 78 Prozent der anspruchsberechtigten 6- bis unter 15-Jährigen und 60 Prozent der 15- bis unter 18-Jährigen. Das gemeinsame Mittagessen nutzen 37 beziehungsweise 20 Prozent der Berechtigten. Für diese Leistungen lagen zunächst keine länderspezifischen Daten vor.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Stiftung fordert einfachere Verfahren

„Die geringe Nutzung liegt nicht daran, dass die Kinder keinen Bedarf hätten. Vielmehr ist der Betrag klein und der Weg dorthin sehr aufwändig“, sagte Antje Funcke, Expertin für Familienpolitik der Bertelsmann Stiftung. Unterschiedliche Bewilligungs- und Antragsverfahren, komplexe Formulare und umfangreiche Nachweispflichten erschwerten Eltern den Zugang zu den Leistungen. Die Stiftung fordert deshalb, die Leistungen möglichst ohne zusätzliche Anträge auszuzahlen und die Verfahren zu vereinfachen. Das 2011 eingeführte Bildungs- und Teilhabepaket soll Kindern und Jugendlichen aus einkommensschwachen Familien bessere Chancen auf Bildung und gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration