Seit einer Woche herrscht Aufruhr an der Kreuzberger Rosa-Parks-Grundschule: Zwei Tage vor Beginn der Sommerferien erfuhren die Eltern, dass zum neuen Schuljahr auch Schüler der Tannenhof-Schule einen Teil des Gebäudes nutzen sollen. Dabei galt bislang als ausgemacht, dass die Schule für ehemals suchtkranke Erwachsene zurück nach Neukölln und dort in einen Teil der Rixdorfer Grundschule zieht. Nun stellt sich die Frage: Ist die Neuköllner Stadträtin Janine Wolter (SPD) nach Drohungen von Eltern eingeknickt?
Die plötzliche Kehrtwende der Stadträtin
Lange war geplant, die Tannenhof-Schule für einst suchtkranke Erwachsene in einer Neuköllner Grundschule unterzubringen. Doch dann änderte die zuständige Stadträtin Janine Wolter (SPD) offenbar spontan ihre Meinung. Eine Rekonstruktion zeigt: Nach massiven Protesten von Eltern der Rixdorfer Grundschule, die eine räumliche Nähe zu ehemaligen Suchtkranken ablehnten, lenkte Wolter ein. Die Schule wird nun stattdessen in der Rosa-Parks-Grundschule in Kreuzberg untergebracht, was dort erneut für Empörung sorgt.
Elternproteste in Neukölln
Die Eltern der Rixdorfer Grundschule hatten sich vehement gegen den Einzug der Tannenhof-Schule gewehrt. Sie argumentierten, dass die Schüler der Tannenhof-Schule, die eine Therapie hinter sich haben, nicht in unmittelbarer Nähe zu Grundschulkindern sein sollten. „Wir haben Angst um unsere Kinder“, zitierte die Berliner Morgenpost eine betroffene Mutter. Die Proteste eskalierten bis hin zu Drohungen gegenüber der Stadträtin, die schließlich nachgab.
Kritik aus der Politik
Die Entscheidung stößt auf breite Kritik. „Es ist ein Skandal, dass die Stadträtin dem Druck von Eltern nachgegeben hat, die offenbar Vorurteile gegenüber suchtkranken Menschen haben“, sagte ein Sprecher der Berliner Suchthilfe. Auch die Grünen im Bezirk Neukölln kritisieren die Kehrtwende scharf. „Die Tannenhof-Schule ist eine Erfolgsgeschichte der Integration, und nun wird sie von einer Handvoll lauter Eltern torpediert“, so ein Bezirksverordneter.
Die Situation in Kreuzberg
In der Rosa-Parks-Grundschule in Kreuzberg sorgt die kurzfristige Verlegung für Unmut. Die Eltern wurden erst zwei Tage vor Ferienbeginn informiert und fühlen sich übergangen. „Wir haben keine Zeit gehabt, uns darauf einzustellen“, klagt ein Vater. Die Schulleitung zeigt sich jedoch kooperativ: „Wir werden alles dafür tun, dass der gemeinsame Schulbetrieb reibungslos funktioniert.“
Hintergrund: Die Tannenhof-Schule
Die Tannenhof-Schule ist eine Einrichtung für Erwachsene, die eine Suchttherapie erfolgreich abgeschlossen haben. Sie bietet ihnen die Möglichkeit, ihren Schulabschluss nachzuholen und sich auf eine berufliche Zukunft vorzubereiten. Bislang war die Schule in Neukölln beheimatet, musste aber aufgrund von Renovierungsarbeiten umziehen. Der Bezirk Neukölln hatte zugesagt, einen neuen Standort zu finden, was nun zu diesem Konflikt führte.
Ausblick
Die Bezirksverwaltung prüft derzeit rechtliche Schritte gegen die Entscheidung der Stadträtin. Eine Sprecherin des Bezirksamtes Neukölln erklärte: „Wir bedauern die Entwicklung und suchen nach einer Lösung, die allen Beteiligten gerecht wird.“ Bis dahin bleibt die Tannenhof-Schule in Kreuzberg, wo sie ab dem neuen Schuljahr ihren Betrieb aufnehmen wird.



