Die geplante Kürzung des Unterhaltsvorschusses sorgt bei Alleinerziehenden für große Besorgnis. Anne Schmidt, eine 36-jährige Friseurmeisterin aus Berlin-Neukölln, und Delia Keller, die ebenfalls allein für ihre Kinder sorgt, fürchten um ihre finanzielle Existenz. Beide Frauen erhalten vom Staat Unterhaltsvorschuss, weil die Väter ihrer Kinder keinen Unterhalt zahlen. Nun soll diese Unterstützung gekürzt werden.
Hintergrund der geplanten Kürzung
Der Unterhaltsvorschuss ist eine staatliche Leistung für Kinder, deren unterhaltspflichtiger Elternteil nicht oder nicht vollständig zahlt. Der Staat springt ein und zahlt monatlich bis zu 174 Euro für Kinder unter sechs Jahren, 232 Euro für Kinder von sechs bis elf Jahren und 309 Euro für Jugendliche bis 17 Jahre. Die Bundesregierung plant nun, diese Sätze zu kürzen, um Haushaltsmittel einzusparen. Konkrete Zahlen zur geplanten Kürzung liegen noch nicht vor, doch Betroffene und Verbände schlagen Alarm.
Betroffene berichten
Anne Schmidt, die ihren Sohn Linus allein großzieht, beschreibt die Situation als existenzbedrohend: „Wenn der Unterhaltsvorschuss gekürzt wird, würden wir weiter in die Armut abrutschen. Schon jetzt reicht das Geld kaum für Miete, Essen und die Therapie meines Sohnes.“ Ihr Sohn leidet unter einer Entwicklungsstörung und benötigt regelmäßige Behandlungen, die nicht vollständig von der Krankenkasse übernommen werden. Schmidt arbeitet als Friseurmeisterin, doch ihr Einkommen ist unregelmäßig und niedrig.
Delia Keller, Mutter von zwei Kindern, ergänzt: „Der Unterhaltsvorschuss ist für mich die einzige verlässliche Einnahmequelle. Ohne ihn könnte ich die Miete nicht bezahlen. Eine Kürzung wäre eine Katastrophe.“ Keller ist alleinerziehend und arbeitet in Teilzeit, um sich um ihre Kinder kümmern zu können. Der Vater der Kinder ist beruflich im Ausland und zahlt keinen Unterhalt.
Zahlen und Fakten
Laut Statistischem Bundesamt bezogen im Jahr 2022 rund 1,8 Millionen Kinder in Deutschland Unterhaltsvorschuss. Die Gesamtausgaben beliefen sich auf etwa 3,5 Milliarden Euro. Die geplante Kürzung soll nach Angaben des Bundesfamilienministeriums dazu beitragen, den Bundeshaushalt zu entlasten. Kritiker bemängeln jedoch, dass die Einsparungen auf dem Rücken der Schwächsten ausgetragen würden.
Reaktionen aus Politik und Gesellschaft
Der Deutsche Paritätische Wohlfahrtsverband warnt vor den Folgen: „Eine Kürzung des Unterhaltsvorschusses würde die ohnehin hohe Armutsgefährdung von Alleinerziehenden und ihren Kindern weiter verschärfen.“ Auch die Fraktion Die Linke im Bundestag hat die Pläne scharf kritisiert. Die familienpolitische Sprecherin der Linken, Heidi Reichinnek, erklärte: „Statt zu kürzen, müsste der Unterhaltsvorschuss erhöht und der Kreis der Berechtigten erweitert werden.“
Die Bundesregierung verteidigt die geplanten Einsparungen mit Verweis auf die angespannte Haushaltslage. Ein Sprecher des Bundesfamilienministeriums sagte: „Wir müssen Prioritäten setzen, um die langfristige Finanzierbarkeit sozialer Leistungen zu sichern.“ Konkrete Details zur Kürzung sollen im Rahmen der Haushaltsverhandlungen im Herbst festgelegt werden.
Ausblick
Die Betroffenen hoffen nun auf ein Umdenken in der Politik. Anne Schmidt und Delia Keller haben sich einer Initiative Alleinerziehender angeschlossen, die mit Unterschriften und öffentlichen Aktionen gegen die Kürzung protestiert. „Wir lassen uns nicht unterkriegen. Unsere Kinder haben ein Recht auf Unterstützung“, sagt Schmidt. Die Entscheidung über die Zukunft des Unterhaltsvorschusses wird in den kommenden Monaten fallen.



