Nach einer akuten Hitzewelle mit Temperaturen über 40 Grad in Berlin eskalieren die Emotionen um die geplante Fällung mehrerer alter Linden in der Torstraße. Die Senatsverkehrsverwaltung hält an den Umbauplänen fest, die offiziell die Fällung von 35 Bäumen vorsehen. Dies bestätigte Verkehrssenatorin Ute Bonde (CDU) gegenüber der Berliner Morgenpost im Abgeordnetenhaus.
Alte Bäume als unersetzliche Schattenspender
Stadtplaner Eckhard Hasler aus Mitte kritisiert die Pläne scharf: „Manche Bäume sind ungefähr 80 Jahre alt. Für eine Linde mit so einem kleinen Wurzelraum ist das eine Riesenleistung. Ersetzt werden sollen in der Straße nur 20, die dann nur maximal fünf Jahre alt sind. Die Ersatzbäume werden zwar nachgepflanzt, aber eventuell woanders.“ Die lokale Bürgerinitiative „Lebendige Torstraße“ fordert einen sofortigen Stopp der Straßenbauplanungen rund um den Rosenthaler Platz. Sie argumentieren, dass die gefällten Bäume nicht adäquat ersetzt würden, was im Konflikt mit dem neuen Klimaanpassungsgesetz des Berliner BaumEntscheids stehe. Dieses Gesetz schreibt eine Nachpflanzung im Umkreis von 150 Metern vor.
Kritik vom Rat für Stadtentwicklung
Auch der Rat für Stadtentwicklung, ein beratendes Gremium des Abgeordnetenhauses, hält die Pläne der Senatsverkehrsverwaltung für nicht umsetzbar. Die öffentliche Vergabeplattform des Landes Berlin bietet detaillierte Informationen zu den Bauplänen, die von jedem Interessierten eingesehen werden können.
Befürchtung: Fällung vor den Wahlen im Herbst
Silke Gebel, Abgeordnete der Grünen, äußert die Befürchtung, dass der Senat die erlaubte Fällperiode von Bäumen zwischen Oktober und Februar missachten könnte, um Fakten zu schaffen. „Es kann allerdings sein, dass der Senat sich nicht an die erlaubte Fällperiode hält, um einfach Fakten zu schaffen.“ Nach Gebels Einschätzung hat der Senat „nichts aus der Hitzewelle gelernt“. Sie wünscht sich ein Fäll-Moratorium, um den natürlichen Schatten der Bäume im Herzen Berlins zu erhalten. „Egal, was passiert. Eine nächste Regierung wird sich mit der Torstraße auseinandersetzen müssen“, sagt Gebel.
Baumpapst Balder: Große Bäume als natürliche Klimaanlage
Der renommierte Baumpapst Hartmut Balder teilt auf Anfrage der Morgenpost seine Einschätzung mit: „Die EU-Verordnung zur Wiederherstellung der Natur schreibt vor, dass die städtischen Grünflächen bis 2030 nicht schrumpfen dürfen. Danach sollen sie sogar zunehmen. Wir brauchen wegen dem Klimawandel mittelfristig große, vitale Bäume, die die Stadt als natürliche Klimaanlage überschirmen.“ Balder ist zwar nicht in die genauen Planungen der Torstraße eingeweiht, kann aber eine generelle Aussage treffen: „Wenn Bäume gesund und verkehrssicher sind, muss man sich fragen, ob es zur Fällung Alternativen gibt. Mitte soll mit einer Umgehungsstraße entlastet werden.“



