Bundesregierung setzt auf Reparatur und Recycling
Die Bundesregierung hat ein neues Aktionsprogramm zur Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie verabschiedet, das den Erhalt, die Reparatur und das Recycling von Produkten fördern soll. Das knapp 20-seitige Programm präzisiert die bisherige Strategie von 2024 und sieht Investitionen von 260 Millionen Euro aus dem Klima- und Transformationsfonds (KTF) vor.
Ziele des Aktionsprogramms
Bundeskanzler Carsten Schneider (SPD) betonte die Bedeutung der Kreislaufwirtschaft für die Unabhängigkeit Deutschlands: „Deutschland hat wenig eigene Rohstoffe. Kreislaufwirtschaft macht unsere Wirtschaft unabhängiger und schützt Unternehmen vor brüchigen Lieferketten oder blockierten Handelswegen.“ Das Programm umfasst unter anderem die Einrichtung einer Plattform zur Vernetzung von Unternehmen, Wissenschaft, Verwaltung und Zivilgesellschaft, um nachhaltige Produkte schneller auf den Markt zu bringen. Zudem sollen digitale Produktpässe entwickelt werden, die Informationen über chemische Bestandteile, Reparierbarkeit und Entsorgung enthalten.
Öffentliche Beschaffung ohne konkrete Ziele
Ein zentraler Punkt des Programms ist die öffentliche Beschaffung. Der Staat als Auftraggeber, etwa bei Bauprojekten, soll künftig stärker auf kreislauffähige Produkte setzen. Das jährliche Auftragsvolumen für langlebige oder wiederverwertbare Produkte soll kontinuierlich steigen, jedoch fehlen konkrete Zielvorgaben. Dies war Gegenstand monatelanger Verhandlungen innerhalb der Bundesregierung.
Unterstützung und Kritik
Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) sieht großes Wachstumspotenzial. Laut einer Studie der Boston Consulting Group könnte die Bruttowertschöpfung in den Branchen Mobilität, Maschinenbau, Bauwesen, Energie und Textil bis 2045 auf bis zu 125 Milliarden Euro jährlich steigen. Die Umweltorganisation WWF kritisierte hingegen, das Programm setze zu stark auf Recycling und Digitalisierung, während verbindliche Ziele zur Senkung des Primärrohstoffverbrauchs fehlten. Auch die angestrebte Steigerung der Plastik-Recyclingquote auf 71 Prozent wird als unzureichend betrachtet.
Finanzierung und Ausblick
Bis 2029 stehen 260 Millionen Euro aus dem KTF bereit, der den Umbau der Wirtschaft zu mehr Umwelt- und Klimaschutz unterstützt. Das Aktionsprogramm soll die Kreislaufwirtschaft in Deutschland voranbringen, doch die fehlenden konkreten Ziele lassen Zweifel an der Wirksamkeit offen.



