Feuer nahe Paris: 800 Hektar Wald zerstört
Ein verheerender Waldbrand im Forst von Fontainebleau, etwa 50 Kilometer südlich von Paris, hat bereits ein Fünftel des Waldes erfasst. Insgesamt sind 800 Hektar der grünen Lunge der französischen Hauptstadt abgebrannt. Frankreichs Innenminister Laurent Nuñez schließt Brandstiftung nicht mehr aus. Es gebe etwa zehn Brandherde in einem Umkreis von 1000 Metern, sagte er in Noisy-sur-École. Das Feuer könne voraussichtlich noch am Montag unter Kontrolle gebracht werden, aber es werde Tage, wenn nicht Wochen dauern, um es komplett zu löschen.
Löschflugzeuge aus Süden angefordert
Erstmals wurden zwei Löschflugzeuge vom Typ Canadair vom Süden in den Großraum Paris entsandt. Sie schöpfen ihr Löschwasser im Niedrigflug aus der Seine. Bislang wurde durch den Brand niemand verletzt, aber rund 200 Menschen mussten in Sicherheit gebracht werden. Die Autobahn A6, auf der zahlreiche Urlauber in den Süden fahren, wurde wegen dichten Rauchs zeitweise gesperrt. Wegen Kabelschäden im Zusammenhang mit dem Feuer kam es am ersten Ferienwochenende in Frankreich zu Zugausfällen und Verspätungen von bis zu sechs Stunden.
Landwirte unterstützen Feuerwehr
Bis zu 500 Feuerwehrleute wurden erwartet, um den Brand zu bekämpfen. Bereits am Sonntag hatten zwei Flugzeuge vom Typ Dash brandverzögernde Mittel versprüht. Landwirte aus der Region halfen mit Traktoren, Wassertanks in die betroffenen Gebiete zu bringen. Auch Löschhubschrauber waren im Einsatz. Die Rauchwolken waren etwa 20 Kilometer weit zu sehen. „Ohne die Löschflugzeuge hätten die Orte Noisy-sur-École und Vaudoué komplett evakuiert werden müssen“, sagte Einsatzleiter Olivier Compta. „So etwas hat es hier noch nie gegeben“, sagte Didier Buguinet, Vizebürgermeister von Vaudoué.
Hitzewelle und Dürre in Frankreich
Frankreich erlebt derzeit die dritte Hitzewelle seit Jahresbeginn. In 42 der 101 Départements gilt die höchste Dürre-Warnstufe. Am Montag galt in 37 Départements die höchste Hitzewarnstufe Rot, was etwa 26 Millionen Menschen betrifft. Wegen der Hitze wurden drei Atomreaktoren vorübergehend heruntergefahren und sieben weitere gedrosselt, damit ihr aufgewärmtes Kühlwasser die Flüsse nicht weiter aufheizt. Die Pariser Feierlichkeiten am Vorabend des Nationalfeiertags wurden wegen der Temperaturen nach hinten verschoben.
Landesweit 32.000 Hektar abgebrannt
Insgesamt brannten in Frankreich seit Jahresbeginn bei Wald- und Flächenbränden bereits 32.000 Hektar ab, etwa doppelt so viel wie im Vorjahreszeitraum. Die Behörden nahmen bislang landesweit 32 Menschen in Gewahrsam, die im Verdacht stehen, die Feuer bewusst gelegt oder sie durch fahrlässiges Verhalten entfacht zu haben. Der Mitte-rechts-Präsidentschaftskandidat Édouard Philippe kündigte an, die einheimische Produktion von Löschflugzeugen fördern zu wollen. „Wir sind noch immer auf ausgediente Canadair-Maschinen angewiesen, die schwer zu warten und zu ersetzen sind“, sagte er. Frankreich hatte im Juni erst zwei zusätzliche Maschinen bestellt, die aber erst zwischen 2032 und 2033 geliefert werden sollen.



