Kahlschlag am Kraftwerk Charlottenburg: Streit eskaliert
Kahlschlag am Kraftwerk Charlottenburg eskaliert

Am Spreebord in Charlottenburg hat die BEW (Berliner Energie und Wärme AG) mit der Fällung von zehn gesunden Bäumen begonnen. Drei Bäume sind bereits gefällt. Der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf widerspricht der Maßnahme, die für eine Baustelle der BEW notwendig sein soll. Der Konflikt eskaliert und sendet ein fatales Signal für den Klimaschutz, kommentiert Norman Börner von der Berliner Morgenpost.

Baumfällung trotz Widerstand des Bezirks

Die BEW begann am Morgen des 4. Juli 2026 mit der Fällung der Bäume am Spreebord, unweit des Kraftwerks Charlottenburg. Nach Angaben des Bezirksamtes Charlottenburg-Wilmersdorf handelt es sich um zehn gesunde, rund 20 Meter hohe Bäume. Der Bezirk hatte die Fällung zuvor untersagt, da er die Begründung der BEW für nicht ausreichend hielt. Die BEW argumentiert, die Bäume müssten für den Bau einer neuen Fernwärmeleitung weichen.

„Wir sind entsetzt über das Vorgehen der BEW. Hier werden ohne gültige Genehmigung gesunde Bäume gefällt, die für das Stadtklima unverzichtbar sind“, erklärt Bezirksbürgermeisterin Kirstin Bauch (Grüne). Der Bezirk habe der BEW klar gemacht, dass die Fällung nicht rechtmäßig sei. Dennoch setzte das Unternehmen die Arbeiten fort.

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Streit um Notwendigkeit und Alternativen

Die BEW betont, die Fällung sei für den Ausbau der Fernwärmeinfrastruktur zwingend erforderlich. „Ohne die neue Leitung können wir die Wärmeversorgung für tausende Haushalte in Charlottenburg nicht sicherstellen“, so ein Sprecher der BEW. Man habe alle Alternativen geprüft, aber keine andere Möglichkeit gefunden, die Trasse zu verlegen.

Der Bezirk widerspricht: „Es gibt sehr wohl Alternativen, die eine Fällung vermeiden würden. Die BEW hat sich nicht ausreichend um eine umweltverträgliche Lösung bemüht“, so Bauch. Der Bezirk habe ein externes Gutachten in Auftrag gegeben, das die Möglichkeit einer unterirdischen Verlegung ohne Baumverlust bestätige.

Eskalation und rechtliche Schritte

Der Konflikt eskaliert nun weiter. Der Bezirk hat eine einstweilige Verfügung gegen die BEW beantragt, um die Fällung der restlichen sieben Bäume zu stoppen. Das Verwaltungsgericht Berlin soll noch heute entscheiden. „Wir werden alle rechtlichen Mittel ausschöpfen, um die Bäume zu retten“, kündigt Bauch an.

Die BEW zeigt sich unbeeindruckt: „Wir handeln im Einklang mit den geltenden Vorschriften. Die Fällung ist genehmigt, und wir werden sie fortsetzen, bis die Leitung gebaut ist.“ Das Unternehmen verweist auf eine Baugenehmigung der Senatsverwaltung für Umwelt, Mobilität, Verbraucher- und Klimaschutz.

Fatales Signal für den Klimaschutz

Der Fall Charlottenburg ist kein Einzelfall. Immer wieder kommt es in Berlin zu Konflikten zwischen Bezirken und Unternehmen um Baumfällungen. Doch dieser Fall sei besonders brisant, kommentiert Norman Börner: „Hier geht es nicht um kranke oder gefährliche Bäume, sondern um gesunde, vitale Bäume, die für das Stadtklima unverzichtbar sind. Wenn die BEW sich über den Willen des Bezirks hinwegsetzt, verspielt sie Vertrauen – nicht nur bei den Anwohnern, sondern in der gesamten Stadt.“

Der Kommentar kritisiert, dass die BEW mit ihrem Vorgehen ein fatales Signal sende: „Wer so fällt, zeigt, dass ihm kurzfristige wirtschaftliche Interessen wichtiger sind als langfristiger Klimaschutz. Das ist der falsche Weg, besonders in Zeiten des Klimawandels.“

Die Berliner Morgenpost berichtet exklusiv über den Fall. Die Redaktion fordert eine transparente Prüfung der Notwendigkeit und eine stärkere Berücksichtigung von Umweltbelangen bei Bauprojekten.

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