Nabu-Index: Grünflächen-Verlust lässt Städte stärker aufheizen
Nabu-Index: Grünflächen-Verlust heizt Städte auf

Wälder, Wiesen, Moore: Sie kühlen Deutschland im Sommer. Ein neuer Index des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu) zeigt jedoch, dass diese Kühlung seit einigen Jahren stark nachlässt. Der sogenannte Grün-Feucht-Kühl-Index 2026, den Nabu-Präsident Jörg-Andreas Krüger und Studienleiter Pierre Ibisch vom Econics Institute in Berlin vorstellten, offenbart ein wachsendes Hitze-Risiko vor allem in urbanen Räumen.

Kühlleistung der Natur sinkt dramatisch

Der Index bewertet die Fähigkeit von Landschaften, durch Verdunstung und Beschattung die Umgebungstemperatur zu senken. Seit 2018 ist diese Kühlleistung in Deutschland um durchschnittlich 15 Prozent zurückgegangen. Besonders betroffen sind dicht besiedelte Gebiete wie Berlin, wo der Verlust an Grünflächen und die Versiegelung von Böden die Hitzeinsel-Effekte verstärken. „Wo das Grün fehlt, wird es heißer“, warnte Krüger bei der Präsentation im Berliner Eiskeller.

Ursachen: Trockenheit und Flächenfraß

Hauptursachen für den Rückgang sind anhaltende Trockenperioden, die die Verdunstungskälte der Pflanzen reduzieren, sowie der zunehmende Flächenverbrauch durch Siedlungen und Verkehr. Laut Nabu werden täglich rund 55 Hektar Boden neu versiegelt – das entspricht etwa 78 Fußballfeldern. Diese Entwicklung führe dazu, dass natürliche Kühlkreisläufe unterbrochen werden, erklärte Ibisch. „Moore und Feuchtgebiete, die als natürliche Klimaanlagen wirken, trocknen aus oder werden drainiert.“

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Städte besonders gefährdet

Die Analyse zeigt, dass Großstädte wie Berlin, Hamburg und Köln im Sommer bis zu fünf Grad Celsius heißer sein können als ihr Umland. Besonders kritisch sei die Lage in Stadtteilen mit wenig Grün, wie etwa Spandau. „Die hitzegeplagten Bewohner haben oft keine Möglichkeit, sich in kühle Grünflächen zurückzuziehen“, so Krüger. Der Nabu fordert daher ein Umdenken in der Stadtplanung: Mehr Dachbegrünung, Fassadenbegrünung und der Erhalt von Stadtbäumen seien dringend nötig.

Forderungen an die Politik

Der Nabu-Präsident appellierte an die Bundesregierung, den Flächenverbrauch bis 2030 auf 30 Hektar pro Tag zu reduzieren – ein Ziel, das bereits im Koalitionsvertrag verankert ist, aber bislang verfehlt werde. Zudem müsse der Schutz von Mooren und Wäldern Vorrang haben. „Ohne intakte Ökosysteme werden wir die Klimakrise nicht bewältigen“, betonte Ibisch. Der Index solle jährlich fortgeschrieben werden, um die Entwicklung zu überwachen.

Hintergrund: Der Grün-Feucht-Kühl-Index basiert auf Satellitendaten und Bodenmessungen des Econics Institute. Er wird vom Nabu genutzt, um Politik und Öffentlichkeit für die Bedeutung von Grünflächen im Klimaschutz zu sensibilisieren.

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