Die Bundesregierung setzt auf Reparatur, Recycling und langlebige Produkte, um die Kreislaufwirtschaft zu stärken. Mit einem neuen Aktionsprogramm zur Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie, das das Bundeskabinett in Berlin verabschiedet hat, sollen Erhalt, Reparatur und Wiederverwertung von Produkten gefördert werden. Das knapp 20-seitige Programm präzisiert die bisherige Strategie von 2024.
260 Millionen Euro für nachhaltige Produkte
Bis 2029 sind 260 Millionen Euro aus dem Klima- und Transformationsfonds (KTF) vorgesehen. Der KTF unterstützt den Umbau der deutschen Wirtschaft zu mehr Umwelt- und Klimaschutz. Minister Carsten Schneider (SPD) betonte die Bedeutung der Kreislaufwirtschaft: „Deutschland hat wenig eigene Rohstoffe. Kreislaufwirtschaft macht unsere Wirtschaft unabhängiger. Sie schützt unsere Unternehmen, wenn internationale Lieferketten brüchig werden oder Handelswege blockiert sind.“ Zudem habe der Bereich großes Wachstumspotenzial.
Plattform und digitale Produktpässe geplant
Vorgesehen sind unter anderem eine Plattform, die Unternehmen, Wissenschaft, Verwaltung und Zivilgesellschaft vernetzt, um nachhaltigeren Produkten den Markteintritt zu erleichtern. Zudem sollen digitale Produktpässe entwickelt werden, die Informationen über chemische Bestandteile, Reparierbarkeit oder Entsorgung enthalten.
Öffentliche Beschaffung ohne konkrete Ziele
Dem Kabinettsbeschluss ging ein monatelanges Ringen voraus, insbesondere um die öffentliche Beschaffung. Der Staat als Auftraggeber, etwa bei Bauprojekten, soll künftig stärker auf Kreislaufwirtschaft setzen. Das jährliche Auftragsvolumen für zirkuläre Produkte – also besonders langlebige oder wiederverwertbare – soll über alle bundesbeteiligten Unternehmen kontinuierlich steigen. Konkrete Ziele fehlen jedoch.
BDI sieht Wachstumspotenzial, WWF kritisiert
Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) sieht großes Potenzial: Die Bruttowertschöpfung durch Kreislaufwirtschaft in den Branchen Mobilität, Maschinenbau, Bauwesen, Energie und Textil könnte sich laut einer Studie der Boston Consulting Group bis 2045 auf bis zu 125 Milliarden Euro jährlich mehr als verdoppeln. Die Umweltorganisation WWF kritisierte hingegen, das Programm setze zu stark auf Recycling, Innovation und Digitalisierung. Es fehlten verbindliche Ziele und konkrete Schritte, um den Verbrauch primärer Rohstoffe in Deutschland tatsächlich zu senken.



