Hitzewelle und Kahlschlag: Zehn gesunde Rosskastanien bedroht
Mitten in der sommerlichen Hitzewelle droht am Spreebord in Berlin-Charlottenburg ein Kahlschlag, der nicht nur Umweltschützer auf den Plan ruft. Zehn gesunde Rosskastanien sollen gefällt werden, um Platz für Baucontainer zu schaffen. Die Bäume stehen auf dem Gelände des Charlottenburger Heizkraftwerks, wo temporär Büro-, Aufenthalts- und Sanitärcontainer aufgestellt werden sollen. Der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf lehnt die Fällung ab – doch die Entscheidung liegt beim Eigentümer, dem Energiekonzern Vattenfall.
Bezirk und Umweltschützer laufen Sturm
„Es ist ein erheblicher Verlust für das Stadtklima und die Lebensqualität“, sagt eine Sprecherin des Bezirksamts Charlottenburg-Wilmersdorf. Die Bäume seien gesund und wichtig für die Kühlung der Umgebung. Umweltschützer haben eine Online-Petition gestartet, die bereits über 2.000 Unterschriften gesammelt hat. Sie fordern, die Container auf einer bereits versiegelten Fläche zu platzieren, statt gesunde Bäume zu opfern. Vattenfall hingegen argumentiert, die Container müssten aus betrieblichen Gründen genau dort stehen, wo jetzt die Bäume sind.
Fällung soll kurzfristig erfolgen
Laut Informationen des Bezirks soll die Fällung in den nächsten Tagen stattfinden. „Die Zeit drängt, der Sommer ist da, und die Bäume bieten dringend benötigten Schatten“, so die Bezirkssprecherin. „Wir prüfen rechtliche Schritte, um die Fällung zu verhindern.“ Der Bezirk hat jedoch keine direkte Entscheidungsbefugnis, da das Grundstück im Eigentum von Vattenfall steht. Eine Baugenehmigung für die Container liegt offenbar vor.
Proteste und Alternativen
Die Initiative „Berliner Baumrettung“ hat eine Mahnwache vor dem Kraftwerk angekündigt. „Es ist absurd, in Zeiten des Klimawandels gesunde Bäume zu fällen, nur um Container aufzustellen“, sagt ein Sprecher der Initiative. „Es gibt genug versiegelte Flächen auf dem Gelände.“ Auch die Grünen im Bezirk fordern Vattenfall auf, von der Fällung abzusehen. „Die Bäume sind unersetzlich für das Mikroklima“, erklärt die umweltpolitische Sprecherin der Fraktion. „Wir appellieren an das Unternehmen, eine umweltfreundlichere Lösung zu finden.“
Vattenfall verteidigt Plan
Ein Vattenfall-Sprecher betont, dass die Container für die laufenden Arbeiten am Heizkraftwerk unverzichtbar seien. „Die Standorte sind aus logistischen Gründen optimal. Wir bedauern die Fällung, aber es gibt keine Alternative.“ Das Unternehmen verspricht, Ersatzpflanzungen an anderer Stelle vorzunehmen. „Wir werden für jeden gefällten Baum zwei neue pflanzen“, so der Sprecher. Kritiker halten dies für unzureichend, da die neuen Bäume Jahrzehnte bräuchten, um die gleiche Kühlleistung zu erbringen.
Auswirkungen auf das Stadtklima
Die Rosskastanien am Spreebord sind Teil einer Allee, die als wichtige Grünverbindung gilt. Laut einer Studie der Technischen Universität Berlin können Stadtbäume die Umgebungstemperatur um bis zu 4 Grad Celsius senken. „Gerade in Hitzewellen sind solche Bäume überlebenswichtig“, sagt ein Klimaforscher der TU Berlin. „Ihr Verlust wäre nicht nur ästhetisch, sondern auch klimatisch ein schwerer Schlag.“ Der Bezirk erwägt nun, die Bäume unter Schutz stellen zu lassen, was die Fällung verzögern könnte.



