Die Deutsche Bahn rüstet ab sofort rund 2000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Fernverkehr mit Körperkameras aus. Dies betrifft Zugbegleiter, Bordgastronomie-Personal sowie Beschäftigte in den DB Lounges, wie der bundeseigene Konzern mitteilte. Die Nutzung der an der Dienstkleidung befestigten Kameras bleibt freiwillig.
Präventive Wirkung und Beweissicherung
Mit der Maßnahme sollen Übergriffe durch Fahrgäste besser dokumentiert werden, um die Sicherheit der Beschäftigten zu erhöhen. „Bodycams tragen dazu bei, dass sich Reisende und Mitarbeitende gleichermaßen sicher in den Zügen des Fernverkehrs fühlen“, erklärte die Bahn. „Sie haben eine präventive Wirkung und dienen der Abwehr und Reduktion von Gewalttaten sowie der Beweissicherung.“
Bahnchefin Evelyn Palla hatte nach dem tödlichen Angriff auf einen Zugbegleiter im Regionalverkehr im Februar angekündigt, dass noch in diesem Jahr alle Beschäftigten mit Kundenkontakt auf freiwilliger Basis mit einer solchen Kamera ausgestattet werden sollen. Bisher war dies nur im Regionalverkehr der Fall.
Teil eines Aktionsplans für mehr Sicherheit
Die Bodycam-Einführung ist eine von mehreren Maßnahmen im sogenannten Aktionsplan für mehr Sicherheit auf der Schiene. Dazu gehören auch die Einstellung von 200 zusätzlichen Sicherheitskräften sowie die Weiterentwicklung eines Hilferufknopfs, mit dem Mitarbeiter in Gefahrensituationen unauffällig die Leitstelle informieren können.
Im Prozess nach der tödlichen Prügelattacke gegen den Bahn-Mitarbeiter Serkan Ç. hatte der Angeklagte Ioanni V. vor einer Woche die Familie des Opfers um Verzeihung gebeten. „Aus der Tiefe meines Herzens möchte ich eine große Entschuldigung aussprechen für eine nicht zu entschuldigende Tat und einen Moment blinder Wut“, hieß es in einer von seiner Verteidigerin verlesenen Erklärung. Der Anwalt der Familie Ç. sagte, es würde den Angehörigen helfen, wenn Ioanni V. Angaben zur Tat machen würde. Das Urteil könnte am 9. Juli fallen.
Aggressivere Stimmung in der Bahn
Zugchef René Bäselt, der selbst schon angegriffen wurde, berichtet, dass die Stimmung in der Bahn seit Jahren aggressiver werde. Er äußerte sich zu den Hilfsmaßnahmen und ob er noch ohne Angst einsteigen könne. Die Deutsche Bahn hofft, mit den Bodycams und anderen Sicherheitsmaßnahmen die Zahl der Übergriffe zu reduzieren und das Sicherheitsgefühl der Mitarbeiter zu stärken.



