Bahnprojekten droht Stillstand: Bund stellt zu wenig Geld bereit
Mehr als 90 wichtigen Bahnprojekten in verschiedenen Planungsphasen sowie einigen bereits im Bau befindlichen Vorhaben droht einem Medienbericht zufolge der Stillstand. Grund dafür ist, dass der Bund nicht ausreichend finanzielle Mittel zur Verfügung stellt. Selbst Projekte von überragendem öffentlichen Interesse könnten gefährdet sein. Dies berichtet das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) am Sonntag und beruft sich dabei auf die Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen zum Stand von Neu- und Ausbauprojekten.
Kritik vom Verbände-Bündnis Allianz pro Schiene
Das Verbände-Bündnis Allianz pro Schiene kritisierte die Situation scharf. Der Bund müsse im Haushalt 2027 entsprechend nachsteuern. „Wir erwarten von der Bundesregierung, dass sie ihre Zusage einlöst: nämlich, dass, was baureif ist, auch wirklich gebaut wird“, forderte Geschäftsführer Dirk Flege.
Investitionen hinter dem Bedarf zurück
Aus der Antwort der Bundesregierung geht dem Bericht zufolge außerdem hervor, dass die in der bisherigen Mittelfristplanung des Bundes bis zum Jahr 2030 vorgesehenen Investitionen für laufende und neue Bauvorhaben auf der Schiene hinter dem Bedarf zurückbleiben, den die Regierung selbst sieht.
Generalsanierung der Strecke Hamburg–Berlin
Nach Abschluss der Generalsanierung der Bahnstrecke zwischen Hamburg und Berlin forderten Verkehrsexperten von SPD und CDU die Deutsche Bahn auf, Probleme bei der Sanierung von Bahnstrecken künftig offener zu benennen. „Bei aller Erleichterung über das Ende der Umleitungen dürfen wir die gravierenden Schwachstellen dieses Mammutprojekts nicht verschweigen“, sagte die SPD-Verkehrspolitikerin Anja Toff-Schaffarzyk dem RND. Bauzeitenpläne und Puffer für kritische Infrastrukturen müssten zudem künftig robuster und krisenfester kalkuliert werden. „Die Bilanz weist Schattenseiten auf, die wir ungeschönt benennen müssen“, so Toff-Schaffarzyk.
Der verkehrspolitische Sprecher der Union im Bundestag, Björn Simon, forderte ebenfalls, das DB-Management müsse aus den Verzögerungen lernen: „Für die kommenden Korridorsanierungen brauchen wir verlässliche Zeitpläne und eine transparente Kommunikation, die Versprechungen gegenüber den Bürgern einhält.“
Wiederinbetriebnahme der Strecke Hamburg–Berlin
Die Zugstrecke Hamburg–Berlin wird nach monatelanger Generalsanierung am Sonntag wieder in Betrieb genommen. Allerdings fahren die Fernzüge in den ersten zwei Wochen nach der Wiedereröffnung noch abschnittsweise etwas langsamer. Grund ist nach Angaben der Bahn, dass noch Technik getestet wird und Abnahmefahrten stattfinden. Ab Sonntag können Bahnkunden das angekündigte Familienticket für die Sommerferienwochen buchen.



