Die Sanierung der wichtigen Bahnstrecke zwischen Hamburg und Berlin ist deutlich teurer geworden als ursprünglich geplant. Nach Angaben des Bundesverkehrsministeriums steigen die Gesamtkosten auf rund 2,7 Milliarden Euro. Das ist ein Plus von etwa 500 Millionen Euro im Vergleich zu den zuvor genannten 2,2 Milliarden Euro. Grund sind wochenlange Bauverzögerungen, die unter anderem durch Frost im Januar und Februar verursacht wurden.
Risikopuffer vollständig ausgeschöpft
Die Zahlen gehen aus einer Antwort des Bundesverkehrsministeriums auf eine Anfrage des Linke-Abgeordneten Christian Görke hervor, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Zusätzlich zu den genannten Kosten war ein Risikopuffer von rund 300 Millionen Euro eingeplant. Dieser wurde laut der Antwort vollständig ausgeschöpft. Ob die Sanierung noch teurer werden könnte, ließ das Ministerium offen.
Kritik von Christian Görke: „Viel zu wenig erreicht“
Der Linke-Abgeordnete Christian Görke äußerte scharfe Kritik an dem Ergebnis. „Für diese riesigen Kosten wurde viel zu wenig erreicht“, teilte Görke mit. Besonders bemängelte er, dass das neue europäische Zugsicherungssystem ETCS nicht wie ursprünglich geplant eingebaut werden konnte. „Allein deshalb wird es in fünf bis zehn Jahren zu einer weiteren Großsperrung kommen“, prognostizierte Görke. ETCS soll eigentlich für mehr Kapazität auf der Schiene sorgen, doch nach der Sanierung können die Züge auf der Strecke Hamburg–Berlin weiterhin nicht mit diesem System fahren.
Probleme nach Wiedereröffnung
Bereits kurz nach der Wiedereröffnung der Strecke Mitte Juni gab es Probleme. Aufzüge funktionierten nicht richtig, und einige Züge fielen aus. Görke kritisierte: „Für dieses magere Ergebnis mussten viele Tausend Pendlerinnen und Pendler zehneinhalb Monate lang halbe Weltreisen mit dem Bus zurücklegen und mit massivsten Einschränkungen leben.“
Hintergrund der Generalsanierung
Die Sanierung der Strecke Hamburg–Berlin ist Teil eines umfassenden Programms der Deutschen Bahn, das bis Mitte der 2030er Jahre Dutzende marode Strecken grundlegend erneuern soll. Dabei werden die Korridore für mehrere Monate vollständig gesperrt, um die Bauarbeiten ohne Unterbrechungen durchführen zu können. Die Strecke Hamburg–Berlin war seit Anfang August für den Fern-, Regional- und Güterverkehr gesperrt. Der Fernverkehr wurde über Stendal und Uelzen umgeleitet, was längere Fahrzeiten bedeutete. Im Regionalverkehr mussten Fahrgäste monatelang auf Ersatzbusse ausweichen.
Verzögerungen durch Frost
Eigentlich sollte die Strecke Anfang Mai wiedereröffnet werden. Doch wochenlanger Frost im Januar und Februar führte zu erheblichen Verzögerungen, da bei gefrorenem Boden nicht gearbeitet werden konnte. Erst Mitte Juni rollten die Züge wieder. Das Konzept der sogenannten Generalsanierungen steht in der Branche immer wieder in der Kritik, insbesondere wegen der langen Sperrungen und der hohen Kosten.



