Seit dem 2. Juni 2026 ist die Friedrich-Ebert-Brücke in Bonn, besser bekannt als Nordbrücke, für den gesamten Verkehr gesperrt. Die Entscheidung fiel nach einer turnusmäßigen Prüfung, die massive Schäden an der Tragkonstruktion offenbarte. Die Brücke ist ein Symbol für den desolaten Zustand vieler deutscher Autobahnbrücken.
Verkehrsminister verspricht schnellen Neubau
Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) kündigte am vergangenen Wochenende an, dass die Nordbrücke durch einen Neubau ersetzt werden solle – und zwar bis zum Jahr 2028. „Wir werden alles daran setzen, die Planungs- und Bauphasen zu beschleunigen“, so Wissing. Der Zeitplan sei ambitioniert, aber machbar. Die Sperrung habe für die Region verheerende Folgen: Täglich nutzten rund 120.000 Fahrzeuge die Brücke, die nun über Ausweichstrecken umgeleitet werden müssen.
Skepsis vor Ort: „Schon zu oft enttäuscht“
Doch bei Anwohnern und lokalen Politikern überwiegt die Skepsis. „Wir wurden schon zu oft enttäuscht“, sagt der Bonner Oberbürgermeisterin Katja Dörner (Grüne). „Allein die Planungsphase dauert in Deutschland oft Jahre. Dass bis 2028 ein Neubau stehen soll, halte ich für sehr optimistisch.“ Auch der ADAC Nordrhein kritisiert die mangelnde Vorbereitung: „Die Sperrung kam nicht überraschend – die Brücke war seit Jahren als sanierungsbedürftig eingestuft. Dennoch fehlt ein schlüssiges Gesamtkonzept für die Umleitungen.“
Hintergrund: Marode Brücken in Deutschland
Die Nordbrücke ist kein Einzelfall. Laut einer Studie des Bundesverkehrsministeriums aus dem Jahr 2025 befinden sich rund 15 Prozent aller Autobahnbrücken in Deutschland in einem „nicht ausreichenden“ oder „ungenügenden“ Zustand. Besonders betroffen sind Brücken aus den 1960er und 1970er Jahren, die für das heutige Verkehrsaufkommen nicht ausgelegt sind. Die Kosten für einen Neubau der Nordbrücke werden auf rund 200 Millionen Euro geschätzt.
Auswirkungen auf den Verkehr
Die Sperrung der Nordbrücke führt zu erheblichen Verkehrsbehinderungen im Großraum Bonn. Der Berufsverkehr hat sich auf die umliegenden Brücken und Tunnel verlagert, was zu täglichen Staus von mehr als 20 Kilometern Länge führt. Die Stadt Bonn hat bereits zusätzliche Busse und eine Fährverbindung über den Rhein eingerichtet, um den Pendlerverkehr zu entlasten. Dennoch fordern viele eine schnellere Lösung. „Wir brauchen nicht nur Versprechungen, sondern Taten“, so ein Sprecher der Industrie- und Handelskammer Bonn/Rhein-Sieg.
Politische Debatte um Investitionen
Der Fall Nordbrücke hat eine erneute Debatte über die Investitionspolitik des Bundes ausgelöst. Während die Ampel-Koalition im Koalitionsvertrag massive Investitionen in die Infrastruktur versprochen hat, kritisieren Experten, dass die tatsächlichen Ausgaben hinter den Ankündigungen zurückbleiben. Der Bund der Steuerzahler fordert ein Sonderprogramm für Brückensanierungen in Höhe von mindestens fünf Milliarden Euro pro Jahr. Ob der Neubau der Nordbrücke bis 2028 tatsächlich gelingt, bleibt abzuwarten – die Skepsis in Bonn ist jedenfalls groß.



