Berlins Verkehrssenatorin Manja Schreiner (CDU) hat klargestellt, dass eine schnelle Sanierung der maroden Brücken in der Hauptstadt nicht möglich ist. „Brücken über Nacht abreißen? Können wir, aber dann hört’s auf“, sagte Schreiner im Interview mit der Berliner Morgenpost. Die Sanierung der rund 800 Brücken in Berlin sei eine Mammutaufgabe, die Jahre in Anspruch nehmen werde.
Sanierungsstau bei Brücken in Berlin
Laut Schreiner befinden sich etwa 80 Brücken in einem kritischen Zustand und müssen dringend saniert oder ersetzt werden. Allein für die Instandsetzung dieser Bauwerke seien Investitionen in Höhe von rund 1,5 Milliarden Euro nötig. „Wir haben jahrelang zu wenig in die Infrastruktur investiert. Das holen wir jetzt auf“, so die Senatorin.
Die Planung und Umsetzung von Brückensanierungen sei komplex. „Eine Brücke ist kein einfaches Bauwerk. Da müssen Statik, Verkehrsführung und Anwohnerinteressen berücksichtigt werden. Das dauert“, erklärte Schreiner. Zudem müssten die Bauarbeiten oft unter laufendem Verkehr erfolgen, was die Arbeiten zusätzlich erschwere.
Prioritätenliste und Bürgerbeteiligung
Die Senatsverwaltung für Verkehr hat eine Prioritätenliste erstellt, welche Brücken zuerst saniert werden. „Wir konzentrieren uns auf die Bauwerke, die am stärksten gefährdet sind oder die wichtigsten Verkehrsachsen betreffen“, sagte Schreiner. Dazu gehören unter anderem die Brücken über die Ringbahn und die A100.
Gleichzeitig setzt der Senat auf Bürgerbeteiligung. „Wir wollen die Anwohner frühzeitig informieren und in die Planung einbeziehen. Das schafft Akzeptanz und vermeidet spätere Klagen“, betonte die Senatorin. Allerdings könne man nicht allen Wünschen gerecht werden. „Manchmal müssen wir auch unpopuläre Entscheidungen treffen, um die Verkehrssicherheit zu gewährleisten.“
Finanzierung und Personalprobleme
Ein weiteres Problem ist die Finanzierung. Zwar hat der Bund zusätzliche Mittel für die Verkehrsinfrastruktur bereitgestellt, doch reichen diese nach Ansicht Schreinens nicht aus. „Wir brauchen eine verlässliche und langfristige Finanzierung. Das ist derzeit nicht gegeben“, kritisierte sie. Zudem fehle es an Fachpersonal in den Planungsämtern und bei den Baufirmen.
Die Senatorin forderte daher eine Offensive zur Ausbildung von Ingenieuren und Facharbeitern. „Wir müssen den Beruf des Bauingenieurs wieder attraktiver machen. Sonst werden wir den Sanierungsstau nie aufholen.“
Auswirkungen auf den Verkehr
Die Brückensanierungen werden den Verkehr in Berlin in den kommenden Jahren erheblich beeinträchtigen. „Es wird zu Sperrungen, Umleitungen und Staus kommen. Das lässt sich nicht vermeiden“, räumte Schreiner ein. Sie appellierte an die Geduld der Berliner: „Bitte haben Sie Verständnis. Wir arbeiten mit Hochdruck daran, die Infrastruktur zu verbessern.“
Um die Belastungen zu minimieren, setzt die Senatsverwaltung auf moderne Bautechniken und eine enge Abstimmung mit den Bezirken. „Wir versuchen, die Bauarbeiten zu bündeln und in verkehrsarmen Zeiten durchzuführen“, so Schreiner. Dennoch werde es nicht ohne Einschränkungen gehen.
Langfristige Strategie
Langfristig will der Senat ein Konzept für die Instandhaltung der Brücken entwickeln. „Wir müssen weg von der reinen Reparatur hin zur vorausschauenden Wartung“, sagte Schreiner. Dazu gehöre auch die regelmäßige Überprüfung der Bauwerke mittels moderner Messtechnik.
Die Senatorin zeigte sich zuversichtlich, dass die Sanierungsoffensive gelingen wird. „Berlin hat schon größere Herausforderungen gemeistert. Mit vereinten Kräften werden wir auch diesen Stau auflösen.“



