Wegen anhaltender Trockenheit führt die Donau in Bayern deutlich weniger Wasser. Güterschiffe können nur noch einen Bruchteil ihrer üblichen Ladung transportieren, während Ausflugsschiffe in der Weltenburger Enge bei Kelheim seit dem 6. Juli gar nicht mehr fahren. Das teilte das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Donau MDK mit.
Güterschifffahrt: 75 Prozent weniger Fracht
Schiffe mit einem regulären Fassungsvermögen von 2000 Tonnen können derzeit nur 300 bis 500 Tonnen laden, erklärte eine Sprecherin der Behörde. Die restliche Fracht werde in Häfen zwischengelagert. Besonders betroffen ist der nicht ausgebaute Donauabschnitt zwischen Straubing und Vilshofen, der zum Nadelöhr wird. Dort müssen die Schiffe ihren Tiefgang täglich an den Wasserstand anpassen.
Die Bayernhafen-Gruppe, zu der die Häfen Regensburg, Passau, Aschaffenburg, Bamberg, Nürnberg und Roth gehören, bietet Umschlag- und Lagerkapazitäten für Leichterungen an. Auch der niedrige Wasserstand des Rheins wirkt sich aus, da Schiffe auf dem Weg zu den Nordseehäfen weniger Ladung aufnehmen können.
Bedeutung der Binnenschifffahrt für das Klima
Die Reedereien MSG Würzburg und Bavaria Stockstadt betonten die Klimavorteile der Binnenschifffahrt: Schiffe verursachten pro transportierter Tonne weniger Emissionen als Lastwagen. MSG-Vorsitzender Martin Staats sagte: „Wir passen Beladung, Routen und Fahrpläne laufend an die eingeschränkte Schiffbarkeit an und halten Transporte von Agrarprodukten, Baustoffen, Stahl und weiteren Gütern bestmöglich aufrecht.“
Personenschifffahrt: Stillstand in der Weltenburger Enge
Der Donaudurchbruch zwischen Kelheim und dem Kloster Weltenburg, ein beliebtes Ausflugsziel, ist seit dem 6. Juli nicht befahrbar. Andreas Schweiger von den Vereinigten Schifffahrtsunternehmen Kelheim erklärte: „Wir schauen früh, mittags und abends auf die Pegelstände. Eigentlich immerzu.“ Für die Passage benötigen die Ausflugsschiffe einen Pegel von mindestens 2,30 Metern. In den letzten zwei Wochen wurde dieser Wert um knapp 50 Zentimeter unterschritten.
Drei Schiffe sind normalerweise auf dem Abschnitt unterwegs. Die drei Betriebe müssen in solchen Phasen einen Teil ihrer rund 100 Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken. Ab dem Wochenende werden die Fahrten voraussichtlich wieder möglich sein.
Niedrige Wasserstände im Vergleich
Der Niedrigwasser-Informationsdienst des Landesamts für Umwelt (LfU) wies für die Donau zuletzt sehr niedrige Wasserstände aus. Am Pegel Pfelling lag der Mittelwasserstand am 15. Juli 2026 bei 222 Zentimetern, im Vergleichszeitraum des Vorjahres bei 242 Zentimetern. Am Pegel Passau/Donau lagen die Wasserstände im Juli 2026 zeitweise unter 400 Zentimetern, während sie 2025 nie unter diese Marke fielen.
Hintergrund: Donauausbau und Buhnen
Der Donauausbau zwischen Straubing und Vilshofen war jahrzehntelang umstritten. Ursprünglich war eine Kanalisierung geplant, doch Umweltschützer verhinderten neue Staustufen. Stattdessen wurde ein naturnaher Ausbau beschlossen, bei dem Buhnen und andere Bauwerke die Fahrrinne vertiefen sollen, um die Schiffbarkeit zu verbessern.



