Das norwegische Parlament hat grünes Licht für den Bau des Stad-Schiffstunnels gegeben. Das 1,7 Kilometer lange Bauwerk soll die gefährliche Westküstenpassage an der Halbinsel Stadlandet entschärfen. Mit einer geplanten Durchfahrtshöhe von 33 Metern und einer Fahrbreite von 21,5 Metern (aktuelle Medienberichte sprechen von 36 Metern Breite und 50 Metern Höhe) soll der Tunnel Platz für Kreuzfahrtschiffe, Frachter und Versorgungsschiffe bieten. Der Baubeginn ist für Anfang 2027 vorgesehen, die Fertigstellung nach fünf Jahren. Das Projekt kostet rund 8,6 Milliarden norwegische Kronen (etwa 790 Millionen Euro) und erfordert die Sprengung von 5,4 Millionen Kubikmetern Felsgestein.
Warum der Schiffstunnel gebaut wird
An der Stad-Passage herrschen an einem Drittel des Jahres starke Winde und Wellen mit bis zu 30 Metern Höhe. Diese Bedingungen haben bereits zu mehreren Unfällen geführt, darunter die Havarie des Kreuzfahrtschiffs Viking Sky im März 2019, bei der das Schiff mit 1.373 Menschen an Bord nach einem Motorschaden auf Felsen zutrieb. Der frühere norwegische Verkehrsminister Knut Arild Hareide erklärte bereits 2021: „Das Ziel des Projekts ist es, die Befahrbarkeit und Sicherheit des Seeverkehrs zu verbessern, der Stadlandet passieren muss. Das bedeutet, dass der Schiffsverkehr aufgrund der Bedingungen bei Stad keine erheblichen Verzögerungen mehr haben soll und das Unfallrisiko nicht höher sein darf als der Durchschnitt entlang der Küste.“ Bei schlechtem Wetter benötigen Schiffe oft doppelt so lange für die Passage und müssen häufig warten.
Maße und technische Details
Der Tunnel soll eine Länge von 1,7 Kilometern haben, hinzu kommen Zugangsbereiche, sodass die Gesamtlänge 2,2 Kilometer beträgt. Die Durchfahrtshöhe liegt bei 33 Metern, die Fahrbreite bei 21,5 Metern. Aktuellen Medienberichten zufolge könnte die Breite jedoch 36 Meter und die Höhe 50 Meter betragen. Die Wassertiefe ist mit 8 Metern angegeben. Der Tunnel ist für Schiffe mit einer Breite von bis zu 24 Metern ausgelegt. Einar Vik Arset, Generaldirektor der norwegischen Küstenverwaltung Kystverket, sagte: „Wir sind bereit, die notwendigen Prozesse einzuleiten, um einen Baubeginn Anfang 2027 zu ermöglichen. Es ist ein Großprojekt, aber wir haben uns über mehrere Jahre hinweg gründlich vorbereitet. Wir sind bereit, sobald wir die Anweisungen des Ministeriums für Handel, Industrie und Fischerei erhalten.“
Kritik von Hurtigruten
Nicht alle Kreuzfahrtunternehmen unterstützen das Projekt. Die Reederei Hurtigruten, deren Schiff MS Midnatsol den Tunnel nutzen könnte, lehnt ihn ab. Der Pressechef von Hurtigruten erklärte gegenüber E24: „Ziel eines Stad-Tunnels ist es, die Fahrzeit zu verkürzen, Schadstoffe und das Unfallrisiko zu reduzieren. Für Hurtigruten führt die Benutzung des Tunnels zum Gegenteil.“ Er fügte hinzu: „In den letzten 15 Jahren haben die Hurtigruten-Schiffe die Passage, die als Problem betrachtet wird, 12.000 Mal ohne Probleme passiert. Weniger als eine Handvoll Mal im Jahr haben schlechte Wetterbedingungen dazu geführt, dass die Passage nicht genutzt werden konnte. Auch wird der Tourismuseffekt überschätzt. Wenn wir die Fahrpläne nicht drastisch ändern, werden wir früh am Morgen den Tunnel passieren – und es wird nur für ein paar Interessierte, die dafür auf Schlaf verzichten, ein Erlebnis sein.“
Unterstützung von Havila Voyages
Andere Reedereien wie Havila Voyages begrüßen das Projekt. Bei der Stadland-Schiffstunnelkonferenz 2022 sagte Havila-Kystruten-CEO Bent Martini: „Der Stad-Schiffstunnel wird die Sicherheit auf See rund um Stadland erhöhen, das zu den wetterabhängigsten Gebieten entlang der Küstenroute gehört, die wir täglich befahren.“ Er betonte auch den touristischen Wert: „Wir glauben, dass die Fahrt durch den Stad-Schiffstunnel ein weltweit einzigartiges touristisches Erlebnis sein wird, und selbstverständlich werden wir bei der Durchfahrt durch den Tunnel völlig emissionsfrei und rein mit Batteriestrom fahren.“
Klimaaspekte und Kosten
Der Tunnel könnte auch zur CO2-Reduktion beitragen, da Schiffe durch die kürzere Route Treibstoff sparen. Die Regierung hat eine Investitionsermächtigung von rund 8,6 Milliarden norwegischen Kronen (etwa 790 Millionen Euro) erteilt. Der Bau soll 2027 beginnen und nach fünf Jahren abgeschlossen sein.



