Radwegebau in Berlin-West: Ein Flickenteppich statt großer Wurf
Der Ausbau der Radwegeinfrastruktur in Charlottenburg-Wilmersdorf schreitet nur schleppend voran. Zwar sind für das Jahr 2026 einige neue Projekte geplant, doch insgesamt bleibt die Entwicklung hinter den Erwartungen zurück. Der Bezirk gilt weder als Totalausfall noch als Vorreiter – vielmehr zeigt sich ein Bild des Stückwerks.
Geplante Maßnahmen für 2026
Laut aktuellen Planungen sollen in diesem Jahr mehrere Abschnitte in Angriff genommen werden. Dazu gehören unter anderem die Verlängerung des Pop-up-Radwegs in der Kantstraße sowie neue Verbindungen im Bereich des Kurfürstendamms. Allerdings handelt es sich meist um isolierte Teilstücke, die nicht nahtlos an das bestehende Netz anschließen.
Kritik an der Langsamkeit
Radfahrerorganisationen und Verkehrsexperten üben scharfe Kritik am Tempo des Ausbaus. „Wir brauchen endlich ein zusammenhängendes Netz, keine weiteren Insellösungen“, sagt ein Sprecher des ADFC Berlin. Die Verwaltung verweise stets auf begrenzte Ressourcen und langwierige Planungsverfahren. Tatsächlich dauert es oft Jahre, bis ein Radweg von der Idee bis zur Umsetzung gelangt.
Positive Beispiele und Rückschläge
Positiv zu vermerken ist, dass einige temporäre Radwege aus der Corona-Zeit inzwischen dauerhaft gemacht wurden – wie etwa in der Kantstraße. Dennoch gibt es auch Rückschläge: An mehreren Stellen wurden geplante Projekte aufgrund von Anwohnerprotesten oder politischen Streitigkeiten gestoppt oder verzögert.
Vergleich mit anderen Bezirken
Im Berliner Vergleich liegt Charlottenburg-Wilmersdorf im Mittelfeld. Während Bezirke wie Friedrichshain-Kreuzberg oder Mitte deutlich mehr Kilometer pro Kopf vorweisen können, hinkt der Westen hinterher. Dabei wäre das Potenzial groß: Viele Hauptstraßen bieten Platz für geschützte Radwege, doch der politische Wille scheint begrenzt.
Ausblick: Was 2026 bringen soll
Für 2026 sind immerhin einige neue Markierungen und die Einrichtung von Fahrradstraßen geplant. Ob diese Maßnahmen ausreichen, um den Radverkehrsanteil signifikant zu steigern, bleibt fraglich. Die Bezirksverwaltung betont, dass man auf einem guten Weg sei, doch die Realität zeigt: Von einer echten Aufbruchstimmung ist nichts zu spüren.
Der Artikel basiert auf einer Analyse der aktuellen Planungen und einer Einschätzung von Norman Börner, Redakteur der Berliner Morgenpost, vom 5. Juni 2026.



