Rhein-Pegel fällt dramatisch: Schifffahrt vor dem Aus?
Rhein-Pegel fällt dramatisch: Schifffahrt in Gefahr

Der Rhein, Deutschlands wichtigste Wasserstraße, leidet unter extremer Trockenheit. Der Pegel an der Kölner Messstation fiel am Dienstag auf 92 cm und am Mittwoch auf 90 cm – normal sind etwa drei Meter. Die Prognose für die kommenden Tage: weiter sinkende Wasserstände. Dies hat gravierende Folgen für die Schifffahrt.

Auswirkungen auf die Personenschifffahrt

Nina Luig (43), Geschäftsführerin der Köln-Düsseldorfer (KD) Schifffahrt, zeigt sich besorgt: „Der Rhein-Pegel fällt im Moment schnell. Von unseren 15 Schiffen fahren drei nicht mehr, darunter der umgebaute Schaufelraddampfer Goethe.“ Die restliche Flotte kann im Mittelrhein mehrere Stationen nicht anfahren, darunter Koblenz, Oberlahnstein, Braubach, Kamp-Bornhofen, Oberwesel und Lorch. Weniger Schiffe bedeuten auch weniger Passagiere.

Für die Mitarbeiter der KD bedeutet dies, freie Tage abzubauen und Urlaub zu nehmen, wenn möglich. Luig hofft: „Wir hoffen, dass es bald im Süden wieder regnet, damit die Pegel wieder steigen und die Saison noch nicht beendet ist.“ Auch in Bonn liegt das Schiff „Rheinnixe“ am Ufer. Die Bonner Personenschifffahrt fährt mehrere Haltestellen nicht mehr an, darunter Bonn-Bundeshaus, Bad Honnef, Rolandseck, Unkel und Bad Breisig.

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Klimatologe: „Das habe ich noch nie erlebt“

In Bonn beobachtete Klimatologe Dr. Karsten Brandt (52) am Montag ein seltenes Phänomen: „Ich kann von der Rheinbrücke auf den Grund des Flusses sehen, das habe ich noch nie erlebt“, sagte er. Auch Schiffe sah er an dem Tag nicht fahren.

Frachtschifffahrt stark betroffen

Noch stärker sind die Auswirkungen auf die Frachtschifffahrt. An der Engstelle Kaub lag der Wasserstand am Dienstag bei 45 cm, am Mittwoch bei 42 cm – absolutes Niedrigwasser. Die Folge: Schiffe dürfen nur noch mit einem Drittel ihrer Kapazität beladen werden, wie die Deutsche Transport-Genossenschaft Binnenschifffahrt (DTG) mitteilt. DTG-Vorstand Andreas Grzib (59) erklärt: „Bestimmte Schiffstypen mit zu viel Tiefgang fahren schon nicht mehr nach Süden.“ Dadurch steigen die ohnehin hohen Transportkosten weiter an.

Florian Krekel, Sprecher des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes Rhein, bestätigt: „Von Tag zu Tag fallen die Pegelstände weiter, wir sind auf dem absteigenden Ast.“ Nur am Donnerstag wird nach Regenfällen ein leichter Anstieg erwartet, danach sollen die Pegel weiter fallen.

Keine Besserung in Sicht

Selbst örtliche Gewitter und Unwetter helfen dem Rhein nicht wirklich. Dr. Brandt erklärt: „Die schlechte Nachricht ist: Es gibt keine wirklich ausdauernden Regenfälle, das ist alles nur punktuell und bleibt nicht im Boden. Mittelfristig befürchte ich noch niedrigere Pegel.“

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