Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) haben am Mittwoch mit den ersten Erkundungsbohrungen für die lang erwartete Verlängerung der U-Bahnlinie U8 im Märkischen Viertel begonnen. Am Wilhelmsruher Damm wurde ein fünf Meter tiefes Bohrloch niedergebracht, das erste von mehreren, die den Untergrund für die geplante Trasse untersuchen sollen. Nach jahrelangem politischen Hin und Her ist dies ein konkreter Schritt, um mehr als 50.000 Menschen in Reinickendorf an das U-Bahnnetz anzuschließen.
Planungsprozess in zweiter Phase
Der Vorstandsvorsitzende der BVG, Henrik Falk, betonte bei einer Pressekonferenz: „Wir haben hier lange dafür gekämpft und waren immer hinterher. Ab jetzt geht es richtig zur Sache.“ Die Erkundungsbohrungen markieren den Beginn der zweiten Phase des mehrstufigen Planungsprozesses. Läuft alles optimal, könnte der Bau der rund drei Kilometer langen Strecke bereits im Jahr 2031 beginnen.
Die Verlängerung soll vom bisherigen Endpunkt Wittenau bis zum Senftenberger Ring führen. Geplant sind vier neue Stationen: am Märkischen Zentrum, am Dannenwalder Weg, an der Wesendorfer Straße und am Senftenberger Ring. Laut Verkehrssenatorin Ute Bonde (CDU) würden durch die Verlängerung insgesamt 38.000 Anwohnende an das BVG-Netz angeschlossen.
Kosten und Finanzierung
Das Projekt ist im Nahverkehrsplan für die Jahre 2026 bis 2029 mit rund 560 Millionen Euro veranschlagt. Allerdings schwieg sich Dennis Backwinkel, Geschäftsführer der BVG Projekt GmbH, am Mittwoch zu aktuelleren Zahlen aus. Er rechnet frühestens im Sommer 2027 mit dem Abschluss der Vorplanung, sodass erst dann eine verlässliche Kostenschätzung möglich sei. Fest steht bisher, dass die Finanzierung zu drei Vierteln aus dem Bundeshaushalt und zu einem Viertel aus dem Landeshaushalt Berlin kommen wird.
Backwinkel zeigte sich optimistisch, dass der Zeitplan eingehalten werden kann. Die geschlossene Bauweise und ein „partnerschaftliches Verhältnis“ mit der Gesobau, die im Märkischen Viertel an verschiedenen Stellen baut, seien gute Voraussetzungen. Ob die aktuell bevorzugte Trasse tatsächlich umgesetzt wird, entscheidet sich ebenfalls in der Vorplanungsphase.
Politische Unterstützung und Kritik
Im Bezirk Reinickendorf wird das Projekt von den meisten Fraktionen begrüßt. Die CDU bezeichnete die Idee im April als „längst überfällig“, die SPD wies darauf hin, bereits seit Jahrzehnten eine Verlängerung der U8 zu fordern. Auch die Linken begrüßten das Projekt, allerdings nur als langfristige Maßnahme, die kurzfristigen Lösungen nicht im Weg stehen sollte.
Kritik kam hingegen von den Grünen im Abgeordnetenhaus. Die Abgeordneten Antje Kapek und Oda Hassepaß bemängelten im April, dass die Nutzen-Kosten-Rechnung des Senats mit einem Wert von 1,07 nur „minimal“ über der Wirtschaftlichkeitsgrenze von 1,0 liege. Die BVG verteidigte damals die Ergebnisse, die laut Verkehrsbetrieben deutlich über dem Schwellenwert liegen würden. Die Grünen favorisieren stattdessen eine Verlängerung der Straßenbahnlinie, die weniger zeit- und kostenintensiv wäre.
U-Bahn vs. Straßenbahn
Dennis Backwinkel räumte ein, dass eine Tram einfacher zu bauen sei als eine U-Bahn-Trasse. Er betonte jedoch: „Wir haben es hier mit zwei unterschiedlichen Verkehrssystemen zu tun und die U-Bahn ist für das Märkische Viertel einfach besser geeignet.“ Die Entscheidung für die U-Bahn sei aufgrund der höheren Kapazität und der besseren Anbindung an das bestehende Netz gefallen.
Zeitplan und Erwartungen
Geht es nach Backwinkel, sollen in den 2040er Jahren die ersten Menschen mit der U8 bis zum Senftenberger Ring fahren. Ein realistischer Zeitplan kann allerdings, ebenso wie die Kostenplanung, erst am Ende der Vorplanung vorgelegt werden. Bis dahin stehen noch umfangreiche Untersuchungen und Genehmigungsverfahren an. Die BVG ist zuversichtlich, dass das Projekt nach Jahrzehnten des Wartens nun endlich realisiert wird.



