Gewaltsame Szenen am Dresdner Gedenktag
Erneut hat der Jahrestag der Bombardierung Dresdens am 13. Februar 1945 für massive Polizeieinsätze und gewaltsame Auseinandersetzungen in der sächsischen Landeshauptstadt gesorgt. Wie bereits in den Vorjahren versuchten Neonazis und Rechtsextremisten, das Gedenken an die Kriegsopfer für ihre politische Propaganda zu instrumentalisieren.
Massives Polizeiaufgebot in der Innenstadt
Die Dresdner Innenstadt glich am Samstag einem Hochsicherheitstrakt. Überall waren Absperrgitter aufgestellt, an jeder Ecke standen schwer bewaffnete Polizeieinheiten. Die Beamten waren mit Wasserwerfern, Räumpanzern und Pferden im Einsatz, fast durchgehend in voller Kampfmontur. Die Polizeidirektion Dresden wurde von Einheiten der sächsischen Bereitschaftspolizei sowie Kollegen aus Brandenburg, Hamburg, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und der Bundespolizei unterstützt.
Der Verkehr im Stadtzentrum war massiv beeinträchtigt. „Aufgrund der Versammlungen ist mit Verkehrsbeeinträchtigungen im Stadtzentrum zu rechnen“, hatte die Polizei im Vorfeld gewarnt. Viele Busse und Bahnen fuhren gar nicht, mehrere Parkplätze waren komplett gesperrt.
Gewaltbereite Gruppen auf beiden Seiten
Gegen den Aufmarsch der Rechtsextremisten hatte sich ein breites Bündnis formiert. Die Initiative „Dresden Wi(e)dersetzen“ organisierte friedliche Demonstrationen von verschiedenen Sammelstellen Richtung Innenstadt. Allerdings mischten sich unter die Protestierenden auch gewaltbereite Linksextremisten.
Am Nachmittag kam es zu ersten gewaltsamen Zusammenstößen. Linksextremistische Demonstranten versuchten, Absperrungen zu durchbrechen, um zum Bahnhof Mitte vorzudringen, wo rechtsextreme Teilnehmer eines sogenannten „Trauermarsches“ eintrafen. Die Polizei musste mehrfach einschreiten, Demonstranten zurückdrängen und Sitzblockaden räumen. An der Freiberger Straße setzten Beamte Pfefferspray ein.
Historischer Hintergrund und politische Instrumentalisierung
Dresden war am 13. Februar 1945 und in den folgenden Tagen bei Angriffen britischer und amerikanischer Bomber schwer zerstört worden. Nach Erkenntnissen einer Historikerkommission starben bis zu 25.000 Menschen. Rechtsextreme Gruppen instrumentalisieren diese Ereignisse regelmäßig, um die deutsche Kriegsschuld zu relativieren.
Bereits im Vorfeld des Gedenktages hatten Politiker aller demokratischen Parteien zu einer historisch korrekten Bewertung der Ereignisse aufgerufen. Sie forderten dazu auf, alle Opfer des Krieges und der nationalsozialistischen Schreckensherrschaft in die Erinnerung einzubeziehen. Höhepunkt des Dresden-Gedenkens in diesem Sinne ist jedes Jahr eine Menschenkette, in die sich Tausende Bürger einreihen, um Einigkeit gegen Krieg und Hass zu demonstrieren.
Politisierung statt Gedenken
Der Jahrestag der Bombardierung Dresdens hat sich seit Jahrzehnten von einem reinen Gedenktag zu einem hochpolitischen Ereignis entwickelt. Was ursprünglich dem stillen Gedenken der Opfer dienen sollte, ist heute Schauplatz ideologischer Kämpfe. Während die meisten Dresdner Bürger angesichts der Gewalt und der massiven Polizeipräsenz zu Hause bleiben, stehen sich auf den Straßen verhärtete Fronten gegenüber.
Die Polizei bleibt in der schwierigen Position, zwischen den konfrontativen Gruppen vermitteln und gewaltsame Zusammenstöße verhindern zu müssen – eine Aufgabe, die jedes Jahr aufs Neue enorme Ressourcen bindet und die Sicherheitskräfte an ihre Grenzen bringt.



