Trabi-Saisonauftakt in Quilow: Kult-Auto-Fans küren Top-Trabi 2026
Die Sonne strahlt über Quilow und verbreitet frühlingshafte Atmosphäre. Am Dorfteich des kleinen Ortes bietet sich dem Besucher heute jedoch nicht nur ländliche Idylle und der Blick auf das Schloss: Trabis, Anhänger und individuelle Umbauten füllen die Flächen rund um die vereinseigenen Hallen der Quilower Trabi-Fans und des benachbarten IFA-Museums. Neben Hüpfburg und Gulaschkanone finden sich in Grüppchen und Gruppen die Enthusiasten von Trabi, Schwalbe und anderen DDR-Klassikern, die unter der Vorfrühlingssonne über Zwei- und Viertaktmotoren, klassische und gewagte Lackierungen, Anhängermodelle sowie vergangene und kommende Veranstaltungen fachsimpeln.
40 Fahrzeuge und 200 Besucher zum Saisonbeginn
Die Teilnehmer sind auch von weiter her angereist: Neben einem Rostocker Paar, das "seit Jahren auch bei Minusgraden" den etwa anderthalbstündigen Weg zum März-Auftakttreffen der Szene mit der Top-Trabi-Wahl auf sich nimmt, sind auch Dresdner Schrauber vor Ort – und selbst eine Gruppe von Redakteurskollegen aus Osnabrück lässt sich in diesem Jahr beim Trabi-Saisonauftakt blicken. Als "gewohnt gut besucht" beschreibt der Vorsitzende der drei ausrichtenden Vereine, Jens Rüberg, das Auftakttreffen der Szene in diesem Jahr: So sind knapp 40 Fahrzeuge gemeldet und geschätzt 200 Besucher bevölkern die Veranstaltung.
Der Gewinner des Top-Trabi 2026
Den ersten Platz bei der diesjährigen Top-Trabi-Wahl in Quilow machte Christian Zitzow aus Wolgast. Der 49-Jährige restaurierte mit viel Liebe und Expertise bereits seinen fünften Trabi, diesmal aus dem Baujahr 1966. Über sechs Jahre nahm sich der Wolgaster Zeit, das Liebhaberstück von Grund auf wieder aufzubauen. Nach dem Gewinn erzählt Zitzow, dass es Originalneuteile sein sollten – und diese seien unverbaut nicht immer einfach zu bekommen, auch wenn man die Szene kenne.
Klappfix, Wartburg und weitere Ost-Klassiker
Neben Trabis von puristisch-klassisch bis umgebaut-modern, von creme über himmelblau bis zur Metallic-Lackierung mit Tuning-Anleihen finden sich hier auch Mofas, kultige Klappfix-Anhänger, Wartburgs und das ein oder andere Ostmodell der Luxusklasse. Alle sind liebevoll aufbereitet und für diesen Tag natürlich perfekt aufpoliert – ein Fakt, der bei aller Verschiedenheit der Fahrzeuge bei der Prämierung laut Jury-Mitglied Torsten Michael nicht unwichtig ist. Wo beim alljährlichen Trabi-Treffen am Vatertagswochenende in Anklam in verschiedensten Klassen prämiert wird, zählen hier die Basics, erzählt der gelernte Schiffsmaschineningenieur aus Rostock. Er selbst ist seit rund 20 Jahren dabei, seine Frau hatte ihn damals zum Verein gebracht. "Wir schauen heute auch auf die Optik, top gepflegt muss er sein, dann der TÜV natürlich und noch einiges mehr."
Ein Hobby, das Generationen verbindet
Neben Fachsimpelei und der generationsübergreifenden Begeisterung für das DDR-Kultfahrzeug ist es das, was auffällt: Man kennt sich hier in Quilow – und trifft an diesem Samstag Freunde, Teile-Rödler, Anhänger-Spezis und deren Familien mit Nachwuchs in jedem Alter. Trabi, das Hobby eint Fans jeden Alters.
Ob es ein Trabant 1.1 Tramp mit Überrollbügel in bunter Lackierung ist, der 1991 im letzten Produktionsjahr erworben wurde und seitdem von Michael Hoffmann gepflegt wird – und Sohnemann Oskar heizt parallel zur Veranstaltung mit dem Mofa über die Felder. Oder ob es die Familie Wolfram-Schulz aus Ueckermünde ist, bei der die metallic-pinke Tuning-Lackierung nicht auf das Konto von Eignerin Janine, sondern auf eine Idee ihres Mannes zurückgeht. Der Sohn der Familie schraubt inzwischen am eigenen Trabi, wenngleich altersgemäß noch ohne Führerschein: "Man kann wirklich alles selber machen", erzählen die Eltern begeistert, und das Söhnchen nickt. Die Liebe zur historischen Karosse wird auch übers gemeinsame Schrauben dem Nachwuchs vererbt – nicht nur über die Vereinsstruktur der "IFA-Gören", die ebenfalls stets weiter ausgebaut wird, wie Veranstalter und Vereinschef Rüberg stolz berichtet.
32. Auflage der Top-Trabi-Wahl
Den Top-Trabi der Region kürten die Quilower Trabi-Fans am vergangenen Samstag schon zum 32. Mal. Die drei Vereine, denen Jens Rüberg vorsteht, haben über Anklam hinaus das Hobby "Liebe zur Ost-Karosse" salonfähig gemacht, erzählt Rüberg. Seit den Anfängen 1998 hier vor Ort in Quilow seien diverse Vereine inzwischen im ganzen Nordosten entstanden: "Wir sind Geburtshelfer vieler Vereine auch anderswo."
Besitzerwechsel auf besonderen Wegen
Dass man hier eigentlich "immer weiß, wer weiter weiß", beweist auch die Trabi-Geschichte von Knut Weber: Ob bei der Teilesuche, dem Kauf des dritten und vierten Hängers oder ob, wie bei Weber einst, der letzte Eigner des Trabis aus der Scheune bei Torgelow aufgespürt werden muss, der vermutlich zu DDR-Zeiten noch geflohen war – das Auto jedoch blieb weiter angemeldet.
"Wir fanden ihn dann, er war in Berlin", berichtet Knut Weber verschmitzt. "Der hat die ganzen Jahre weiter für seinen Trabi gezahlt." Knut und der frühere Eigentümer schrieben den inzwischen restaurierten Trabi um – Jahrzehnte nach Flucht und Wende der ordnungsgemäße Besitzerwechsel für die Ämter. Inzwischen ist der Trabant von 1989 seit sechs Jahren wieder auf der Straße, mit Weber als Fahrer, Dachgepäckträger und historischem Koffer darauf. "Der Mann war 87, der hat sich gefreut, dass es sein Auto noch gibt", sagt Knut und schließt den Kofferraum – ein leises Klicken, sanft wie Butter.
Die Leidenschaft für historische Fahrzeuge
Der Erstplatzierte, Christian Zitzow, hat auf die Frage, woher man einen unverbastelten Blinker in Luxusausführung bekommt, später eine Antwort, die womöglich jeder kennt, der alte Fahrzeuge liebt: "Das Finden dauert. Ich hab' ihn Jahre aufgebaut." Und: "Das ist ja schon mein fünfter Trabi inzwischen." Es sei auch der letzte, den er restauriert, verrät er dann noch. Also schaut man sich das Liebhaberstück von 1966 noch einmal ganz genau an: bleibt mit dem Blick am Kindheitshimmelblau der Karosse hängen und bewundert den polierten Innenausbau mit seinen einzigartigen Details. So ganz glaubt man es Christian Zitzow schließlich noch nicht, dass er wirklich aussteigt aus dem Trabi-Restaurieren. Vielleicht ja im nächsten Jahr.
Nicht nur Trabi-Begeisterte, auch Fans und Schrauber von Simson und anderen DDR-Zweirädern kamen in Quilow auf ihre Kosten. Und das Wetter tat für die Ausfahrt auf dem Zweirad sein Übriges.



