Stavenhagen hofft auf neuen Augenarzt nach Praxis-Schließung
Seit einem Monat befindet sich die Augenarztpraxis in der Weberstraße in Stavenhagen in einem Zustand der Schließung. Diplom-Medizinerin Sabine Bethke hat nach fast drei Jahrzehnten beruflicher Tätigkeit den wohlverdienten Ruhestand angetreten. Für die Patienten in der Region bedeutet diese Entwicklung jedoch erhebliche Einschränkungen in der medizinischen Versorgung.
Patienten müssen längere Wege in Kauf nehmen
Die augenärztliche Betreuung wurde für die Betroffenen nach Waren verlegt, wo Marwan Al-Ithawi seine Praxis betreibt. Ende Februar kam es bei der Übergabe der letzten Befunde durch die Arzthelferinnen in Stavenhagen zu ungewöhnlichen Szenen. Vor dem Gebäude bildeten sich Schlangen, was die Dringlichkeit der Situation unterstreicht.
Eine 78-jährige Rentnerin aus dem Umland von Stavenhagen bringt die allgemeine Stimmung auf den Punkt: „Es wäre schön, wenn hier wieder ein Augenarzt herkommen würde. Als älterer Mensch ist man nicht mehr so mobil und traut sich lange Autofahrten nicht mehr zu.“ Sie betont zwar, dass der Ruhestand von Frau Bethke verdient sei, bedauert aber den Verlust der vertrauten medizinischen Anlaufstelle.
Kommunalpolitik sieht dringenden Handlungsbedarf
Stavenhagens Bürgermeister Stefan Guzu äußert sich besorgt über die Entwicklung: „Mit dem Ruhestand von Frau Bethke endet nicht nur eine beeindruckende berufliche Laufbahn, es entsteht zugleich eine Lücke, die uns als Stadt ganz unmittelbar trifft.“ Für ihn stellt die augenärztliche Versorgung keine bloße Option, sondern eine zwingende Notwendigkeit dar, insbesondere für die ältere Bevölkerung, die auf kurze Wege angewiesen ist.
Guzu betont, dass die derzeitige Situation nicht zufriedenstellend sei und der ländliche Raum bei der medizinischen Grundversorgung keinesfalls abgehängt werden dürfe. Ein direkter Nachfolger für die geschlossene Praxis steht bislang nicht zur Verfügung.
Hoffnungsschimmer aus Waren
Doch es gibt einen Lichtblick am Horizont. Marwan Al-Ithawi, der seit 2021 eine Augenarztpraxis in Waren betreibt, hat gegenüber dem Nordkurier bestätigt, dass er grundsätzlich Interesse an der Eröffnung einer Praxis in Stavenhagen hat. Sein Ziel ist es, die augenärztliche Versorgung in der Region langfristig zu sichern.
Allerdings steht diesem Vorhaben ein praktisches Hindernis im Weg: Die Suche nach geeigneten Praxisräumen gestaltet sich schwieriger als erwartet. Seit Oktober des vergangenen Jahres bemüht sich Al-Ithawi um Räumlichkeiten im Einkaufszentrum Reutereiche, doch bisher ohne verbindliche Zusage.
Herausforderung bei der Raumfindung
„Unabhängig davon bin ich weiterhin aktiv auf der Suche nach passenden Praxisräumen in Stavenhagen und hoffe, zeitnah eine geeignete Lösung zu finden“, erklärt der Augenarzt. Ein konkreter Eröffnungstermin könne daher derzeit noch nicht genannt werden.
Marwan Al-Ithawi bringt umfangreiche medizinische Erfahrungen mit. Nach seinem Studium im Irak kam er 2015 nach Deutschland, legte die europäische Facharztprüfung ab und war von 2017 bis 2020 als Augenarzt am Klinikum Neubrandenburg tätig, bevor er seine eigene Praxis in Waren eröffnete.
Die Stadt Stavenhagen und ihre Bürger warten nun gespannt auf positive Nachrichten. Die Rückkehr eines Augenarztes würde nicht nur die medizinische Infrastruktur stärken, sondern auch ein wichtiges Signal für die Attraktivität des ländlichen Raumes als Lebens- und Arbeitsort senden.



