Grand Prix de la Baguette: Pariser Bäckermeister gewinnt prestigeträchtigen Wettbewerb
Im historischen Gebäude der Pariser Bäckerinnung liegen über 200 knusprige Baguettes auf langen Tischen bereit für die strenge Bewertung. Beim bereits zum 33. Mal organisierten Grand Prix de la Baguette der Stadt Paris treten Bäckerinnen und Bäcker aus der gesamten Hauptstadt an, um das beste traditionelle Baguette zu küren. Der Gewinner erhält nicht nur ein Preisgeld von 4.000 Euro, sondern vor allem das begehrte Privileg, ein Jahr lang den Élysée-Palast mit frischen Baguettes zu beliefern.
Handwerkskunst und Tradition im Fokus
Während die Brote für den Wettbewerb nummeriert, gemessen und gewogen werden, wird deutlich, dass Genuss und handwerkliche Perfektion in Frankreichs Backtradition eine zentrale Rolle spielen. Bäcker Saloua Ylian, der täglich 300 bis 500 Baguettes in seiner Bäckerei „Bonjour Paris“ backt, betont: „Die Gärzeit, der Sauerteig und das Mehl sind entscheidend für ein exzellentes Baguette.“ Als Erstteilnehmer möchte er sich mit Kollegen messen und die hohen Standards der Branche unter Beweis stellen.
In Paris existieren laut Bäckerinnung 1.118 Bäckereien, wobei 93 Prozent der Bevölkerung die nächste Bäckerei innerhalb von fünf Minuten zu Fuß erreichen können. Diese Dichte fördert Qualität und Wettbewerb, wie Vincent Joly erklärt, der seit 20 Jahren am Wettbewerb teilnimmt und die Bäckereikette „Grenier à Pain“ mit 25 Filialen betreibt: „Die Kundschaft ist anspruchsvoller geworden, die Qualität der Baguettes in Paris steigt kontinuierlich.“
Herausforderungen und kulturelle Bedeutung
Joly weist jedoch auf wirtschaftliche Herausforderungen hin: Während mittlerweile fast alle Bäcker das hochwertigere „Baguette Tradition“ anbieten, bleibt der Preis bei 1,30 bis 1,50 Euro pro Stück stagnieren, obwohl eigentlich 2 Euro angemessen wären. „Es gibt eine psychologische Preisgrenze, die schwer zu durchbrechen ist“, erklärt der erfahrene Bäckermeister.
Die kulturelle Bedeutung des Baguettes unterstreicht Nicolas Bonnet-Oulaldj, Pariser Beigeordneter für Handel und Handwerk: „Das Backhandwerk mit seinem frühen Aufstehen und schwerer Arbeit verdient Anerkennung. Unsere Baguettes gehören zum immateriellen Kulturerbe von Paris und Frankreich.“ Tatsächlich hat die UNESCO das französische Baguette vor gut drei Jahren als Kulturerbe anerkannt.
Juryentscheidung und Siegerehrung
Eine Expertenjury aus Backprofis, Journalisten und per Los ausgewählten Bürgern bewertete die eingereichten Brote vier Stunden lang nach strengen Kriterien:
- Geschmack und Aroma
- Knusprigkeit der Kruste
- Textur und Porung der Krume
- Optische Präsentation
Nach einer Vorauswahl von 30 vielversprechenden Baguettes fiel die endgültige Entscheidung auf Bäcker Sithamparappillai Jegatheepan von der kleinen Bäckerei „Le Fournil Didot“ im 14. Arrondissement. Pascal Barillon, Präsident der Bäckerinnung, freut sich: „Touristen werden zu Botschaftern unseres Baguettes. Der Wettbewerb ist ein wichtiges Treffen des Handwerks.“
Auswirkungen des Sieges
Der Gewinner kann mit einem vier- bis fünffach erhöhten Umsatz rechnen, da neugierige Kunden seine Bäckerei aufsuchen werden. Barillon betont: „Trotz schrumpfender Kaufkraft bleiben gute Lebensmittel den Menschen in Frankreich wichtig.“ Die handwerklichen Fähigkeiten, hochwertige Mehle und ausreichende Zeit für Teigvorbereitung – bis zu 24 Stunden vor dem Backen – bleiben die entscheidenden Erfolgsfaktoren für ein perfektes Baguette.
Mit seinem Sieg tritt Jegatheepan in die Fußstapfen früherer Gewinner und unterstreicht die lebendige Backtradition der französischen Hauptstadt, wo das Baguette nicht nur Grundnahrungsmittel, sondern kulturelles Identitätssymbol bleibt.



