Dortmunder Tatort: Ein Krimi zwischen Kriegsverbrechen und persönlichen Abgründen
Der neueste Fall des Dortmunder Tatort-Teams führt die Ermittler tief in die dunklen Kapitel des Bosnienkriegs der neunziger Jahre. Während Kommissar Faber, gespielt von Jörg Hartmann, noch immer um seine vor acht Folgen getötete Kollegin Bönisch trauert, wird Dezernatsleiterin Klasnić mit eigenen traumatischen Kriegserlebnissen konfrontiert.
Historische Verbrechen und persönliche Dramen
Der Fall beginnt mit dem Mord an einem serbischen Clubbesitzer, der während des Bosnienkriegs offenbar an Massenvergewaltigungen bosniakischer Frauen beteiligt war. Für Kommissarin Klasnić, dargestellt von Alessija Lause, wird die Ermittlung zur persönlichen Herausforderung: Ihre eigene Mutter gehörte zu den Opfern dieser Kriegsverbrechen. Parallel dazu gerät Kollegin Herzog, gespielt von Stefanie Reinsperger, in interne Ermittlungen wegen des Mordes am KTU-Chef Haller aus einer vorherigen Folge.
Der Tatort inszeniert sich einmal mehr als Verschleißkrieg, der niemals enden zu wollen scheint. In keinem anderen Fernsehrevier gibt es derart zermürbende interne Konflikte wie im Dortmunder Dezernat. Regelmäßig wanken oder siechen Kommissarinnen und Kommissare unter der zerstörerischen Handlungsdynamik dahin – nur Faber übersteht diese ewige Agonie bisher.
Abschied und Neuanfang
Besonders bedeutsam ist diese Folge durch den Abschied von Stefanie Reinsperger nach zehn Einsätzen als Kommissarin Herzog. Ihre Darstellung wird als großartig gespielt bewertet, doch kritisch angemerkt, dass sich die krassen Biografien des Ermittlungsteams vor das größere Thema des Falls schieben: die Aufarbeitung der Verbrechen im Jugoslawienkrieg.
Dafür entwickelt sich Alessija Lause als Kommissarin Klasnić zur interessanten neuen Gegen- und Mitspielerin Fabers. Wie sich herausstellt, war die aus Bosnien stammende Polizistin mit der ersten deutschen Bundeswehreinheit mit KFOR-Mandat im Kosovo im Einsatz. Mit diesem harten militärischen Hintergrund darf man in Zukunft auf ein Match auf Augenhöhe mit dem Haudrauf Faber hoffen.
Kunst und Gewalt verschmelzen
Ein besonders eindrückliches Bild des Krimis zeigt ein wohlhabender Galerist aus Bosnien, der als Ausstellungsstück das Gewehr präsentiert, mit dem er serbische Streitkräfte tötete. Diese Verbindung von Tötungsgerät und Kunstwerk unterstreicht die komplexe Verquickung von Vergangenheit und Gegenwart, die den gesamten Fall durchzieht.
Die Bewertung fällt mit 6 von 10 Punkten gemischt aus. Das Kripoteam um Faber führt zwar ein weiteres furioses Selbstzerfleischungsdrama auf, doch gehen die persönlichen Feldzüge und historischen Massaker mitunter riskant durcheinander. Die Balance zwischen Charakterstudie und Kriminalfall bleibt eine Herausforderung für dieses besondere Tatort-Team.
Der Dortmunder Tatort beweist erneut, dass er nicht nur Kriminalfälle lösen, sondern auch tiefe psychologische und historische Abgründe ausloten will – auch wenn diese Ambition nicht immer vollständig gelingt.



